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4. März 2011 / 11:58 Uhr

Freiwilligenheere halten nicht, was Politik verspricht

LotseDie Offiziersgesellschaft Wien lud am 1. März in die Räumlichkeiten des Militärkasinos zu einem Vortrag über die Enquete des letzten Dezembers, die Verteidigungsminister Darabos als wesentliche Basis für sein heutiges Eintreten für ein Freiwilligenheer präsentiert hatte. Dabei hatten verschiedene Militärattachees und Botschafter ihre Wehrsysteme vor gestellt. Im Einzelnen wurden die Armeen der Slowakei, Sloweniens, Ungarns, Belgiens, Deutschlands, Finnlands, Schwedens und der Schweiz verglichen.

Vortragender bei der Offiziersgesellschaft war Oberstleutnant Norbert Lacher, ehemaliger Lehroffizier für Wehr- und Sicherheitspolitik an der Theresianischen Militärakademie. Unter den Zuhörern war auch der kürzlich wegen kritischer Äußerungen von Minister Darabos suspendierte Chef des Generalstabs, General Edmund Entacher.

Lotse

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Die Erfahrungen anderer Staaten sollten den Weg in der
Bundesheer-Diskussion klar in Richtung Wehrpflicht weisen.
Foto: Walter Robol / Bundesheer

Es ging besonders um die Einbettung in die verschiedenen Bündnissysteme und die Probleme bei der Umstellung von Wehrpflicht auf Freiwilligenarmee. Der Vortragende vermittelte hierbei einen sehr objektiven Eindruck und stellte lediglich die Sachlage anhand der Zahlen und Fakten dar. Auffällig war, dass alle Staaten, die auf eine Freiwilligenarmee umgestellt haben, NATO-Mitglieder sind und dies aus rein politischen Gründen taten, wobei es in diesen Ländern – ganz im Gegensatz zu Österreich – einen Konsens über alle Parteien hinweg gab. Es wurde in fast allen Ländern das Wehrbudget angehoben, um diese Umstellung zu ermöglichen. Die Schwierigkeiten waren jedoch überall dieselben. Probleme bei der Rekrutierung und eine mittlerweile völlig überaltete Armee. Die von der Politik, gestellten Forderungen konnten in keinem Fall erfüllt werden, die Streitkräfte dieser Länder hatten einen schweren Qualitätsverlust zu verzeichnen.


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Auch Wehrpflichtigenarmee braucht mehr Geld

Schon etwas anders sieht es bei den Staaten mit allgemeiner Wehrpflicht aus, wobei im Gegensatz zu Österreich ausreichende finanzielle Mittel vorhanden sind und keine Rekruten als Systemerhalter eingesetzt werden müssen.

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Der Vortragende wies auch ständig darauf hin, dass man zuerst ein Verteidigungskonzept brauche und sich dann erst auf ein Wehrsystem auf Basis eines breiten politischen Konsenses einigen sollte. Ob die nun vorgelegte, recht oberflächliche Sicherheitsdoktrin dieser Anforderung entspricht, darf bezweifelt werden. Nicht zuletzt durch seine spitzzüngige und humorvolle Art konnte der Vortragende dem Auditorium ein recht trockenes Thema näher bringen. Es wäre zu begrüßen, wenn gewisse Politiker mehr auf Experten vom Gewicht eines Norbert Lacher hören würden.


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