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9. Mai 2016 / 16:40 Uhr

Nach Rücktritt: Faymann kriecht bei „Österreich“-Herausgeber Fellner zu Kreuze

Das erste Interview von Kanzler Werner Faymann nach seinem Rücktritt ist ein journalistisches Zeitdokument, das den Zustand dieser Republik in erstklassiger Weise auf den Punkt bringt. Glaubt man Österreich-Herausgeber Wolfgang Fellner, so bat nicht er um das Gespräch, sondern wurde ihm dieses vom Zurückgetretenen quasi aufgedrängt. Fellner notiert dazu einleitend:

Schon eine Stunde nach seinem Rücktritt, bevor er noch mit seinen Ministern und seiner Partei gesprochen hatte, wählte Werner Faymann die Telefonnummer von ÖSTERREICH-Herausgeber Wolfgang Fellner, der gerade in Los Angeles ist. Es war halb fünf Uhr früh in Los Angeles, als Faymann dem ÖSTERREICH-Herausgeber ein erstes kurzes Interview zu seinem Rücktritt gab.

Herr Fellner, ich wollte Ihnen nur…

Folgerichtig eröffnet auch nicht der Österreich-Chef – er zählt sich zu den „Jugendfreunden“ des Kanzlers – das Gespräch, sondern Faymann bittet um Verständnis:

Herr Fellner, ich wollte Ihnen nur als einem der Ersten auch persönlich sagen, dass ich heute zurück getreten bin und warum – und wie's jetzt weitergehen soll.

Angebote aus Brüssel: Auch für Taxifahrer?

Mehr als kurze einsilbige Fragen bringt der offenbar schlaftrunkene Fellner nicht heraus. Faymann redet sich aber ohnehin selbst um Kopf und Kragen, auch was seine Zukunft betrifft:

Ganz ehrlich – darüber hab ich noch nicht nachgedacht. Jetzt werd ich mich mal zwei, drei Monate von all dem Stress erholen und gar nichts machen. Nachdenken. Neue Ziele überlegen. Und dann werde ich überlegen, ob ich etwas im Rahmen der EU in Brüssel mache. Angebote dafür hat es in der Vergangenheit genug gegeben – mal schauen, ob mich da was reizt. Lust, auf europäischer Ebene politisch aktiv zu werden, hätte ich schon.

Die „Angebote“ galten freilich dem österreichischen Bundeskanzler. Ob sie für einen ehemaligen Taxifahrer mit nicht auffindbarem Maturazeugnis auch gelten, wird sich weisen. Fellners Sanktus dazu wird er wohl haben. Wusste Österreich am Samstag als erste Zeitung, dass Faymann fix Kanzler bleibt, so bringt das Blatt heute exklusiv seine Rücktrittgründe. Wie lange Fellner überlegen musste, ob er das alles nicht doch geträumt hat, ist nicht bekannt.

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