Der europäische Gaspreis ist am 28. Oktober erstmals seit 2022 kurzzeitig über 100 Euro je Megawattstunde gestiegen. Der Sprung am Großhandelsmarkt fällt in eine angespannte Lage vor dem Winter: Europas Speicher waren mit knapp 75 Prozent gefüllt – weniger als zum selben Zeitpunkt im Vorjahr.
Iran-Krieg belastet den Markt
Als wesentlichen Auslöser für den Preisanstieg nennt der ORF die Verwerfungen auf den Energiemärkten infolge des Iran-Krieges. Sorgen über gestörte Lieferwege und eine angespannte Versorgungslage treiben die Preise. Der TTF-Terminkontrakt, der als europäische Referenz für Gasgroßhandelspreise gilt, überschritt die 100-Euro-Marke allerdings nur kurzzeitig.
Der Vergleich mit der Energiekrise von 2022 zeigt die Größenordnung: Damals kletterte der Preis in der Spitze auf fast 340 Euro je Megawattstunde. Die aktuelle Entwicklung ist also deutlich darunter, markiert aber den höchsten Stand seit 2022.
Keine sofortige Mehrbelastung für alle Haushalte
Ein höherer Börsenpreis führt nicht unmittelbar bei jedem Kunden zu einer höheren Rechnung. Viele Haushalte haben länger laufende Verträge; Preisänderungen am Großhandelsmarkt kommen bei ihnen erst mit Verzögerung an. Wie stark sich die Entwicklung auswirkt, hängt daher auch vom jeweiligen Tarif und dessen Anpassungszeitpunkt ab.
Steigende Beschaffungskosten können zugleich Unternehmen belasten, die Gas für Produktion oder Wärme benötigen. Wie groß die Folgen für einzelne Betriebe ausfallen, lässt sich aus dem Börsenpreis allein jedoch nicht ablesen.
Abgabensenkung und Lockerung der Sanktionen
FPÖ-Energiesprecher Paul Hammerl verlangt deshalb, den EU-Krisenmechanismus zu nutzen, um Sanktionen gegen russisches Erdgas auszusetzen. Zusätzlich fordert er die Abschaffung der CO₂-Bepreisung auf Erdgas und eine Senkung der Erdgasabgabe. Die Regierung, kritisiert er, lasse Haushalte und Betriebe im Stich.
„Die Energiepreiskrise ist endgültig in Österreich angekommen“, sagte Hammerl. ÖVP, SPÖ und Neos „verharren in Untätigkeit“, obwohl der Gaspreis wieder über 100 Euro je Megawattstunde gestiegen sei. Er fordert eine Energiepolitik, die „Versorgungssicherheit und Leistbarkeit in den Mittelpunkt stellt“. Mit seinen vorgeschlagenen Abgabensenkungen könnten Haushalte nach seiner Rechnung „rund 270 Euro jährlich“ sparen.
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