Für die meisten Österreicher steht die immerwährende Neutralität nicht zur Diskussion: 73 Prozent wollen an ihr festhalten. Für einen militärischen Kurswechsel gibt es laut einer neuen Standard-Umfrage keine Mehrheit – nur die Anhänger der Neos sehnen sich nach einer EU-Armee und damit dem faktischen Ende der Neutralität.
„Die Neutralität ist weiterhin Staatsreligion“
73 Prozent sprachen sich in der Umfrage des Linzer Market-Instituts dafür aus, Österreichs Neutralität beizubehalten. 23 Prozent würden eine Beteiligung an einem gemeinsamen militärischen Sicherheitssystem bevorzugen. Market-Politikforscher David Pfarrhofer fasst die starke Verankerung knapp zusammen: „Die Neutralität ist weiterhin ‚Staatsreligion‘.“
Der Rückhalt zieht sich durch die Altersgruppen und reicht über Parteigrenzen hinweg. Besonders stark ist er bei den Wählern der FPÖ: 87 Prozent wollen, dass Österreich neutral bleibt. Bei ÖVP- und SPÖ-Wählern sind es 68 beziehungsweise 67 Prozent, bei den Grünen 53 Prozent.
Neos-Wählerschaft setzt auf gemeinsames Sicherheitssystem
Ein anderes Bild zeigt sich bei den Neos-Anhängern. 63 Prozent von ihnen sprechen sich laut Umfrage für die Beteiligung an einem gemeinsamen Sicherheitssystem aus. Dennoch hält auch in dieser Gruppe rund jeder Dritte an der Neutralität fest.
Die Neos fordern unter anderem eine EU-Armee, an der sich Österreich beteiligen soll – was das Ende der Neutralität bedeuten würde, auch wenn die Partei sich (noch) nicht traut, offen das Ende der Neutralität zu fordern,
Mehrheit will Neutralität – doch zweifelt am Fortbestand
Beim Blick nach vorn wird die Zustimmung vorsichtiger: 53 Prozent glauben, dass Österreich auch in zehn bis 15 Jahren noch neutral sein wird. Etwa jeder Dritte rechnet damit, dass die Neutralität bis dahin aufgegeben wird. Der Wunsch, am bisherigen Kurs festzuhalten, ist damit stärker als die Erwartung, dass dieser Kurs tatsächlich Bestand hat.
Neutralität ist kein Auslaufmodell
Der Standard ließ die Frage seit 2003 sechsmal erheben. Damals sprachen sich 70 Prozent für die Neutralität aus; 2019 lag die Zustimmung mit 79 Prozent am höchsten. Die aktuelle Umfrage zeigt somit keinen Bruch, sondern eine über Jahre stabile Mehrheit – während über die sicherheitspolitische Zukunft des Landes weiter gestritten wird.
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