Angesichts der Energiekrise will Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni die Kernkraft zurückbringen und heimische Öl- und Gasvorkommen stärker nutzen. Mit einer Doppelstrategie aus Atomkraft und heimischen Öl- und Gasvorkommen will sie die Energieversorgung ihres Landes langfristig absichern. Kurz vor dem EU-Gipfel am Donnerstag in Brüssel warnte sie vor den wirtschaftlichen Folgen der internationalen Krisen.
Weltweite Krisen machen Kernkraft wieder attraktiv
Bei einer Rede vor Vertretern der Mailänder Wirtschaft verwies Meloni auf die Krise im Iran, die Sperrung der Straße von Hormus und die Instabilität im Roten Meer. Diese Entwicklungen trieben die Kosten für Energie, Rohstoffe und Transporte in die Höhe und schürten die Inflation, erklärte die Regierungschefin. Die Europäische Union müsse darauf Antworten finden und Unternehmen wie Familien finanziell entlasten.
Doch kurzfristige Hilfen allein reichen Meloni nicht. „Wenn wir keine langfristigen strukturellen Lösungen entwickeln, laufen wir Gefahr, zunehmend von der Notlage abhängig zu sein“, warnte sie.
Italien will zurück zur Kernkraft
Eine zentrale Rolle in Melonis Strategie spielt die Rückkehr zur Atomenergie. Italien hatte nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl den Ausstieg aus der Kernkraft eingeleitet. Nun will die Regierung den Kurs ändern. Die dafür notwendige gesetzliche Grundlage passierte im September den Senat.
Alte Technologie wieder auf dem Vormarsch
Meloni hat ein klares Ziel formuliert: Innerhalb des nächsten Jahrzehnts soll in Italien wieder Strom aus neuen Kernkraftwerken produziert werden. Italien steht mit diesem Vorhaben nicht allein: Auch Frankreich, Polen und Tschechien treiben Pläne für neue Atomkraftwerke voran.
„Wenig Sinn“, Öl und Gas aus Tausenden Kilometern Entfernung zu kaufen
Neben der Kernkraft will Meloni die heimische Förderung von Öl und Erdgas ausbauen. Die Regierungschefin argumentiert, dass Italien vorhandene Ressourcen stärker nutzen sollte, anstatt entsprechende Energieträger über weite Strecken zu importieren.
„Es macht wenig Sinn, diese Tausende Kilometer entfernt zu kaufen, wenn wir einen Teil davon in Italien fördern können“, erklärte Meloni.
Auch in Deutschland wird über eine stärkere Nutzung heimischer Gasvorkommen diskutiert. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hat sich mit entsprechenden Möglichkeiten beschäftigt. Eine Option ist das sogenannte Fracking, bei dem Gas mithilfe technischer Verfahren aus Gesteinsschichten gewonnen wird. Das Verfahren ist allerdings wegen möglicher Umweltrisiken umstritten.
Melonis Ansatz setzt damit nicht ausschließlich auf einen Ausbau der Kernkraft. Vielmehr sollen unterschiedliche Energiequellen zur Versorgung beitragen. Der Regierung geht es darum, die Abhängigkeit von internationalen Märkten zu reduzieren und die Energieversorgung weniger anfällig für geopolitische Krisen zu machen.
Hohe Strompreise setzen Rom unter Druck
Der Handlungsdruck ist groß. Italien gehört zu den europäischen Ländern mit besonders hohen Strompreisen. Ein wesentlicher Faktor ist die starke Bedeutung von Erdgas bei der Stromproduktion. Steigende Gaspreise können sich deshalb unmittelbar auf die Kosten für Unternehmen und Haushalte auswirken.
Die Regierung muss somit zwei Herausforderungen bewältigen: Sie soll kurzfristig für Entlastung sorgen und gleichzeitig die Grundlagen für eine langfristig stabilere Energieversorgung schaffen.
Meloni verweist dabei auch auf den Ausbau erneuerbarer Energien. Vor den Mailänder Unternehmern erklärte sie, dass die Produktion aus Wind- und Solarenergie zuletzt um fast 40 Prozent gestiegen sei.
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