Eine neue Studie liefert erschreckende Zahlen zur Integration: 33,2 Prozent der in der Türkei geborenen jungen Frauen sind weder beschäftigt noch in Ausbildung oder Schulung. Bei den jungen Männern derselben Gruppe sind es 21,5 Prozent. Das zeigt ein aktueller Forschungsbericht des Instituts für Höhere Studien (IHS) im Auftrag des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF).
Deutlicher Unterschied zwischen Frauen und Männern
Untersucht wurden Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 15 und 24 Jahren, die als sogenannte NEETs gelten. Die Abkürzung steht für „Not in Education, Employment or Training“ – also Menschen, die weder eine Schule oder Ausbildung besuchen noch beschäftigt sind oder an einer entsprechenden Qualifizierungsmaßnahme teilnehmen.
Gerade bei Jugendlichen mit Geburtsland Türkei zeigt sich ein auffälliger Geschlechterunterschied: Während 21,5 Prozent der jungen Männer in dieser Gruppe zum NEET-Segment zählen, sind es bei den jungen Frauen 33,2 Prozent. Insgesamt liegt der Anteil der gebürtigen Türken bei 27,2 Prozent.
Österreichische Jugendliche deutlich seltener betroffen
Der Blick auf die Vergleichszahlen macht die Dimension noch deutlicher. Bei Jugendlichen ohne Migrationshintergrund lag der NEET-Anteil im Jahr 2022 bei 8,7 Prozent. Bei Jugendlichen der zweiten Migrationsgeneration waren es 13,3 Prozent. In der ersten Migrationsgeneration lag der Anteil hingegen bei 27,3 Prozent.
Rollenbilder und familiäre Erwartungen im Fokus
Besonders bei jungen Frauen mit türkischem Geburtsland sieht die Studie ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Genannt werden traditionelle Rollenbilder, familiäre Erwartungen und fehlende beziehungsweise unzureichende institutionelle Unterstützung.
Ein weiterer Punkt ist die Sprache. Der Forschungsbericht bezeichnet funktionierende Deutschkenntnisse als wesentlich für Bildung und berufliche Orientierung. Fehlende familiäre Systemkenntnisse, kleinere soziale Netzwerke und Unsicherheit im Umgang mit Institutionen können laut den Forschern dazu beitragen, dass Anschlussprobleme schneller in Bildungsabbrüche und Arbeitsmarktferne münden.
Erste Generation besonders stark betroffen
Wie nachhaltig solche Probleme sein können, zeigt auch der Blick auf die weiteren Bildungs- und Erwerbsverläufe. Laut den ausgewerteten Daten gelingt Jugendlichen der ersten Migrationsgeneration der Einstieg in Ausbildung und Beruf innerhalb von 24 Monaten deutlich seltener als Jugendlichen der zweiten Generation oder jenen ohne Migrationshintergrund. Besonders groß ist die Differenz bei Frauen.
Diskussion zum Artikel auf unserem Telegram-Kanal:
Kommentare erscheinen zu Kanalbeiträgen mit freigeschalteter Diskussion (ohne Bot-Button unter dem Post).
Telegram-Diskussion — nicht automatisch geladen.