Die Debatte um ein höheres Pensionsantrittsalter nimmt erneut Fahrt auf. WIFO-Chef Gabriel Felbermayr stellte sich Forderungen nach einer Anhebung auf 67 Jahre beziehungsweise einer Koppelung des Pensionsalters an die Lebenserwartung gegenüber. Die FPÖ erteilt dem eine klare Absage.
FPÖ: Pensionisten dürfen nicht Bankomat der Nation sein
FPÖ-Sozialsprecherin Dagmar Belakowitsch warnt davor, die Rechnung für die demografischen Herausforderungen ausgerechnet den Menschen vorzulegen, die jahrzehntelang gearbeitet und Beiträge geleistet haben. „Die Pensionisten dürfen nicht länger der Bankomat der Nation sein“, erklärte sie in einer Aussendung.
Felbermayr bringt Pensionsalter 67 ins Spiel
Felbermayr ist seit Oktober 2021 Direktor des Österreichischen Wirtschaftsforschungsinstituts (WIFO) und trat heute, Sonntag, auch in der ORF-Pressestunde auf. Das Pensionssystem und die wirtschaftliche Entwicklung gehören dabei zu den großen Reformthemen, mit denen Österreich konfrontiert ist.
Die Forderung nach längerer Erwerbsarbeit ist dabei keineswegs neu. Bereits im August hatte NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger eine schrittweise Anhebung des gesetzlichen Pensionsalters gefordert. Nach ihrem damaligen Modell sollte ab 2030 begonnen werden; langfristig wäre ein Antrittsalter von 67 Jahren vorgesehen.
Belakowitsch: „Nicht bis zum Umfallen schuften“
Für Belakowitsch ist diese Richtung der falsche Weg. „Es ist eine absolute Respektlosigkeit, den hart arbeitenden Österreichern auszurichten, sie sollen gefälligst bis zum Umfallen schuften“, kritisierte die FPÖ-Mandatarin. Statt immer neue Belastungen für ältere Arbeitnehmer zu diskutieren, müsse die Politik an den wirtschaftlichen und demografischen Grundlagen ansetzen.
Dabei verweist die Freiheitliche auf Wirtschaftswachstum und Familienpolitik. Mehr Beschäftigung und eine höhere Geburtenrate seien aus ihrer Sicht die entscheidenden Stellschrauben, um das Pensionssystem langfristig abzusichern. Die FPÖ will damit die Debatte weg von der Frage führen, wie lange Menschen arbeiten müssen, hin zu jener, wie Österreich wieder mehr wirtschaftliche Dynamik und mehr Familien ermöglichen kann.
Demografie als Argument für längeres Arbeiten
Dass Österreich vor einer demografischen Herausforderung steht, ist allerdings unbestritten. Gleichzeitig verändert sich das Pensionssystem bereits: Für Männer liegt das gesetzliche Regelpensionsalter bei 65 Jahren. Das Frauenpensionsalter wird seit 2024 schrittweise von 60 auf 65 Jahre angehoben und erreicht für Frauen mit Geburtsdatum ab 1. Juli 1968 das reguläre Alter von 65 Jahren.
Auch bei der Korridorpension sind seit 2026 Änderungen in Kraft. Für ab 1. Jänner 1964 Geborene wird das frühestmögliche Antrittsalter schrittweise von 62 auf 63 Jahre angehoben; zugleich steigen die erforderlichen Versicherungsmonate von 480 auf 504.
FPÖ zieht rote Linie
Belakowitsch will dennoch keine weitere Verschiebung des gesetzlichen Pensionsalters akzeptieren. Bereits im August hatte sie Forderungen nach einem Pensionsantritt mit 67 als Angriff auf die Lebensleistung der Arbeitnehmer bezeichnet. Belakowitsch kündigte an, dass die Freiheitlichen einen Pensionsantritt mit 67 nicht mittragen werden.
