Ein leerer Sockel, ein fertiges Denkmal und eine Wiener Stadtregierung, die Nein sagt: Der Streit um das Sobieski-Denkmal am Kahlenberg geht in die nächste Runde. ÖVP und FPÖ machen nun gemeinsam Druck auf die Stadt.
Ein Denkmal, das längst fertig ist
Jan III. Sobieski ist eng mit der Geschichte Wiens verbunden. Am 12. September 1683 führte der polnische König das Entsatzheer beim entscheidenden Kampf gegen die Osmanen am Kahlenberg. Die geplante Statue sollte an diese historische Rolle erinnern. Doch am vorgesehenen Standort steht bis heute lediglich der Sockel.
Dabei war die Errichtung eines Denkmals von Wien ursprünglich zugesagt worden. Das fertige Monument befindet mittlerweile in Polen. Die Stadt zog ihre Zustimmung Ende 2024 jedoch zurück. SPÖ-Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler gegründete die Absage damals damit, Wien wolle „keine Bühne errichten, die für ausländerfeindliche Hetze und das Schüren von islamfeindlichen und antitürkischen Ressentiments instrumentalisiert werden kann“.
ÖVP und FPÖ ziehen an einem Strang
Gegen diese Entscheidung formiert sich seit Jahren Widerstand. Die Wiener ÖVP forderte bereits im Februar im Gemeinderat, die zugesagte Statue tatsächlich umzusetzen. Auch der polnische Botschafter Zenon Kosiniak-Kamysz unterstützte das Vorhaben und bezeichnete ein Denkmal am Kahlenberg als Zeichen der gemeinsamen europäischen Verantwortung und der Verbundenheit zwischen Wien und Polen.
Nun legt auch die FPÖ neuerlich nach. Der Wiener Klubobmann Maximilian Krauss fordert, der leere Sockel müsse endlich das Denkmal erhalten, für das er vorgesehen sei. Die freiheitliche Nationalratsabgeordnete Dagmar Belakowitsch bezeichnete die Haltung der Wiener Stadtregierung als kulturpolitisch kurzsichtig und historisch unangemessen. Die Befreiung Wiens 1683 sei ein Schlüsselereignis der europäischen Geschichte, erklärte sie.
Polnische First Lady vor leerem Sockel
Besondere Symbolkraft bekam der Streit zuletzt durch den Besuch der polnischen First Lady Marta Nawrocka am Kahlenberg. Belakowitsch verwies darauf, dass Nawrocka dort vor dem weiterhin leeren Sockel stand. Für die Freiheitlichen ist das auch eine Frage der Beziehungen zwischen Österreich und Polen.
Die ÖVP hatte bereits im Februar darauf hingewiesen, dass der polnische Botschafter die Aufstellung des fertigen Denkmals ausdrücklich befürwortet. Auch im Wiener Gemeinderat wurde die ausbleibende Umsetzung als diplomatisch problematisch kritisiert.
Wien hält dagegen
Die rot-pinke Stadtregierung bleibt bei ihrer fragwürdigen Kritik an einer heroischen Darstellung Sobieskis. Im Wiener Gemeinderat wurde argumentiert, 1683 dürfe heute nicht zur Wiederholung angeblicher alter Feindbilder oder zur Legitimation eines vermeintlichen Kulturkampfes verwendet werden.
