Der Wald gilt in deutschen Ländern als Sehnsuchtsort, doch die Verlierer-Ampel stört sich auch hier an der CO₂-Bilanz.

29. August 2026 / 11:45 Uhr

Verrückt: Totschnigs Rechentrick macht Österreichs Wälder zum Klimaproblem

Man glaubt es nicht: Österreichs Wald soll die Klimabilanz sogar belasten. Und das, obwohl Wälder CO₂-Speicher sind.

Wald als COâ‚‚-Schleuder

Die Anklage gegen den Wald stammt aus einer parlamentarischen Anfragebeantwortung von ÖVP-Landwirtschafts- und Umweltminister Norbert Totschnig. Darin erklärt der Minister, dass der Wald nicht mehr in jedem Jahr mehr Kohlenstoff bindet, als er freisetzt:

In den letzten Jahren hat sich jedoch gezeigt, dass vor allem bedingt durch den Klimawandel die Kohlenstoffspeicherung rückläufig und der Wald in einigen Jahren sogar zu einer Netto-Quelle geworden ist.

Zahlen des Umweltbundesamts

Die Zahlen des Umweltbundesamts bestätigen diese Entwicklung. Im Jahr 2024 war der gesamte Bereich Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft – der sogenannte LULUCF-Sektor – eine Netto-Emissionsquelle von rund 3,4 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalent.

Davon entfielen etwa 2,7 Millionen Tonnen auf den Wald. Auch 2018, 2019 und 2023 wurde der Sektor als Nettoquelle bilanziert.

FPÖ spricht von absurder Klimarechnung

Die FPÖ-Abgeordneten Paul Hammerl und Peter Schmiedlechner halten diese Rechnungen für absurd:

Ein Wald nimmt CO₂ aus der Luft auf, um zu wachsen. Wenn ihn das Ministerium plötzlich so berechnet, als würde er mehr CO₂ ausstoßen als speichern, dann stimmt gewaltig etwas mit der Rechnung des Ministeriums nicht.

Hammerl sieht einen grundlegenden Widerspruch in der Politik der Regierung:

Der Minister kann nicht sagen, was passiert, wenn der Wald gemäß der absurden Berechnung weniger CO₂ speichert, als die Regierung eingeplant hat. Gemäß seiner Beantwortung der parlamentarischen Anfrage kennt er weder die Kosten noch hat er einen Plan B. Trotzdem sollen Bevölkerung und Wirtschaft dafür geradestehen.

Milliardeninvestitionen für Klimaneutralität

Die Debatte hat auch eine erhebliche finanzielle Dimension. In seiner Anfragebeantwortung verweist Totschnig auf Studien, wonach die transformationsbedingten Mehrinvestitionen bis 2040 zwischen 102,5 und 178,7 Milliarden Euro betragen könnten. Auf ein durchschnittliches Jahr umgelegt, wären das etwa 6,4 bis 11,2 Milliarden Euro.

Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) verteidigte erst vor einer Woche die Klimapolitik, koste es, was es wolle:

Wir halten am Ziel der Klimaneutralität 2040 fest, Ende 2027 wird erstmals von der Bundesregierung ein Klimafahrplan beschlossen. Österreich wird damit ein Vorreiter in der Klimapolitik und das ist ein Garant für weiteren wirtschaftlichen Erfolg.

Die FPÖ hält es hingegen für unverantwortlich, das Ziel bereits festzuschreiben, obwohl wesentliche Maßnahmen, Kosten und Ersatzmöglichkeiten noch nicht geklärt seien.

Anfrage verlangte einen konkreten Ersatzplan

Hammerl hatte Totschnig in seiner parlamentarischen Anfrage ausdrücklich gefragt, welche Rolle der Wald für die Klimaneutralität 2040 spiele und was geschehe, wenn die erwartete Senkenleistung nicht erreicht werde.

Eine weitere Frage lautete, ob es einen Ersatzplan gebe, falls Wald und Boden weniger COâ‚‚ aufnehmen als angenommen. Gibt es nicht.

Waldverband verweist auf 900 Millionen Tonnen COâ‚‚

Rückendeckung erhält die FPÖ vom Österreichischen Waldverband. Dieser weist darauf hin, dass die langfristige Klimaleistung des Waldes nicht anhand einiger weniger negativer Bilanzjahre beurteilt werden dürfe.

Nach Berechnungen des Waldverbands haben nachhaltige Waldbewirtschaftung und Holznutzung die Atmosphäre seit 1990 um rund 900 Millionen Tonnen fossiles CO₂-Äquivalent entlastet. Gleichzeitig sei der Holzvorrat in Österreichs Wäldern um etwa 255 Millionen Vorratsfestmeter gewachsen.

Positive Nebenwirkungen

Die Gesamtzahl von 900 Millionen Tonnen setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen. Rund 400 Millionen Tonnen CO₂ seien zusätzlich in Wald und Waldboden gebunden worden. Etwa 80 Millionen Tonnen entfielen auf Holzprodukte, während ungefähr 430 Millionen Tonnen durch den Ersatz fossiler Energieträger und emissionsintensiver Materialien vermieden worden seien.

Ministerium weiß um die echte Waldbilanz

Bemerkenswert ist, dass auch Totschnigs Ministerium diese Zahlen bereits verbreitet hat. In einer Mitteilung zur Woche des Waldes erklärte das Ressort, seit 1990 hätten nachhaltige Waldbewirtschaftung und Holznutzung die Atmosphäre um rund 900 Millionen Tonnen fossiles CO₂-Äquivalent entlastet.

Hammerl und Schmiedlechner sehen darin eine Bestätigung ihrer Position:

Jedenfalls hat sich aber die Politik an der biologischen Realität des Waldes zu orientieren und nicht der Wald an ideologischen Klimarechnungen.

Jahresbilanz und langfristige Leistung sind kein Widerspruch

Die scheinbar gegensätzlichen Zahlen beruhen auf unterschiedlichen Betrachtungsweisen. Das Umweltbundesamt untersucht, ob Wald und Landnutzung in einem einzelnen Jahr mehr Treibhausgase aufnehmen oder freisetzen. Der Waldverband summiert dagegen die Wirkungen von Waldwachstum, Holzprodukten und der Verdrängung fossiler Rohstoffe seit 1990.

Es kommt eben darauf an, ob man mit Zahlen Angst machen will oder ob man Zahlen in ein größeres Ganzes einbettet.

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