Rund um den Viktor-Adler-Markt in Favoriten sind die Zustände besonders schlimm – und schlagen sogar integrierte Ausländer in die Flucht.

17. Juli 2026 / 11:13 Uhr

„Hier kann man nicht mehr leben“: Gut integrierte kurdische Familie verlässt Problembezirk Favoriten

Im Umfeld des Viktor-Adler-Markts in Wien-Favoriten häufen sich seit geraumer Zeit Gewalttaten und Polizeieinsätze. Messerangriffe, körperliche Auseinandersetzungen und wiederkehrende Interventionen der Exekutive sind in dem migrantisch geprägten Problembezirk inzwischen an der Tagesordnung – und nun ziehen sogar gut integrierte Migranten aus Favoriten weg.

Zustände im Migrantenbezirk untragbar

Ein langjähriger kurdischer Einwohner bringt diese Entwicklung nun offen zur Sprache. Der Familienvater, der seit rund zehn Jahren im Bezirk lebt, erhob gegenüber der Gratiszeitung Heute deutliche Kritik und beschrieb eine Situation, die für ihn nicht länger tragbar ist: „Hier kann man nicht mehr leben.“ Aus Sorge vor möglichen Konsequenzen möchte er anonym bleiben und wird von der Heute-Redaktion nur Ali genannt.

Ali kam vor vielen Jahren als kurdischer Flüchtling aus der Türkei nach Österreich und lebt mittlerweile seit 24 Jahren im Land. Trotz aller Kritik betont er seine Dankbarkeit: „Ich bin selbst geflüchtet und lebe seit 24 Jahren in Österreich. Dieses Land hat mir die Möglichkeit gegeben, mir Schritt für Schritt ein Leben aufzubauen, wofür ich bis heute sehr dankbar bin.“ Gerade diese Verbundenheit macht es für ihn besonders schwierig, die aktuelle Entwicklung in seinem Wohnumfeld zu akzeptieren.

Kriminalität, Verschmutzung und schlechte Stimmung sind Alltag

Seine Wahrnehmung der Lage ist von Frustration geprägt. „Als Bewohner rund um den Viktor-Adler-Markt bin ich mittlerweile wirklich wütend und enttäuscht über die Situation. Ich lebe hier und erlebe, wie sich unser Grätzl verändert hat.“

Insbesondere habe sich das persönliche Sicherheitsempfinden stark verschlechtert. Verschmutzung, Müll und eine angespannte Stimmung im öffentlichen Raum würden viele Menschen belasten. „Es gibt immer wieder Müll, Verschmutzung und eine Atmosphäre, die viele Bewohner belastet. Besonders am Abend geht man teilweise mit einem unguten Gefühl aus dem Haus“, beklagte er.

Während ihn entsprechende Vorfälle früher noch schockiert hätten, seien sie inzwischen zur Normalität geworden. Gewaltberichte, die einst für Aufsehen sorgten, würden heute kaum noch überraschen.

Messer-Migranten und bedrängte Frauen

Besonders kritisch sieht Ali den Umgang im öffentlichen Raum. Was ihn besonders ärgere, sei, dass es immer wieder zu respektlosem Verhalten gegenüber Passanten komme. Frauen würden teilweise belästigt, angemacht oder fühlten sich unwohl, wenn sie durch die Gegend gingen. Auch Streitigkeiten und aggressive Wortwechsel gehörten leider immer häufiger zum Alltag. Zudem komme es regelmäßig vor, dass Menschen mit Messern oder ähnlichen Gegenständen offen auftreten, was das Unsicherheitsgefühl weiter verstärke.

Politik vergisst auf den Bezirk

Am schwersten wiegt für ihn jedoch das Versagen der Politik: „Man hat das Gefühl, dass die Politik und die Verantwortlichen diese Probleme nicht ernst genug nehmen. Die Bewohner müssen mit diesen Zuständen leben, obwohl sie sich einfach nur wünschen, sicher und in Ruhe im eigenen Viertel leben zu können.“

Sein Appell an die Verantwortlichen:

Ich wünsche mir, dass endlich hingeschaut und gehandelt wird – nicht erst dann, wenn etwas Schlimmes passiert. So kann man hier nicht mehr leben.

Außenbezirke werden attraktiver

Für Ali steht mittlerweile fest, dass er Konsequenzen ziehen will. Gemeinsam mit seiner Familie sucht er aktiv nach einer neuen Wohnung außerhalb des Bezirks. Besonders die Donaustadt mit ihrer ruhigeren und grüneren Umgebung kommt für ihn infrage.

Stolzer Arbeiterbezirk wurde zur No-Go-Area

Das Versagen der rot-pinken Stadtregierung und der Einheitspartei im Bund ist alles andere als neu – daher kommen die Zustände im zehnten Gemeindebezirk auch nicht überraschend. Das kritisiert auch die FPÖ. Bezirksvorsteher-Stellvertreter Christian Schuch sagte gegenüber unzensuriert:

SPÖ und ÖVP haben über Jahre hinweg eine Politik betrieben, die dazu geführt hat, dass mittlerweile sogar Familien fluchtartig den Bezirk verlassen, weil sie die Zustände nicht länger ertragen.

Dass Favoriten inzwischen beinahe täglich wegen Gewaltvorfällen in den Negativschlagzeilen steht, sei ein unhaltbarer Zustand. Der einst so stolze Arbeiterbezirk sei zu einer regelrechten No-Go-Area geworden. Schuch wird deutlich: „Die Politiker der Systemparteien sollten sich in Grund und Boden schämen für das, was sie hier angerichtet haben.“

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