Ursula von der Leyen hat einen neuen Grund zum Feiern – die Europäer hingegen weniger. Die Präsidentin der Europäischen Kommission präsentierte am gestrigen Montag in einem Post auf X ihren „bewegenden Erfolg“. Bei der zweiten Sitzung der Palestine Donor Group in Brüssel seien fast 900 Millionen Euro für die frühe Erholung im Gazastreifen zusammengekommen.
Die Geberkonferenz und ihre Zahlen
Die „Team Gaza Initiative“ wurde am 13. Juli 2026 in der belgischen Hauptstadt aus der Taufe gehoben. Koordiniert von der EU-Kommissarin für das Mittelmeer, Dubravka Šuica, und dem palästinensischen Premierminister Mohammad Mustafa, sollen die Mittel in konkrete Projekte fließen: Wiederherstellung von Wasser- und Sanitäranlagen, Beseitigung von Trümmern, Wiederaufbau von Gesundheitseinrichtungen und Stärkung der Nahrungsmittelsysteme. Beteiligt sind neben der Europäischen Kommission die Weltbank, die Europäische Investitionsbank sowie Staaten wie Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Spanien, Italien, die Niederlande, Schweden, Norwegen, Dänemark, Finnland, Japan, die Schweiz und Belgien. Insgesamt 65 Länder und Organisationen zeichneten mit. Die exakte Summe der Zusagen beläuft sich auf 883,6 Millionen Euro.
Was für Europäer teuer ist, ist für „Von der Leyen herzerwärmend”
Von der Leyen stellte den Beschluss als gemeinschaftlichen Erfolg dar. Die Initiative soll zugleich die Palästinensische Autonomiebehörde finanziell stabilisieren und den Weg für weitere Reformen ebnen. Premierminister Mustafa dankte den Partnern für die Unterstützung und verband sie mit dem Ziel einer Zwei-Staaten-Lösung. Die Gelder sollen unter enger Überwachung vergeben werden, betonten die Organisatoren. Die Worte der Kommissionschefin, die sogleich eine Liste unterstützender Nationen anführte, fielen pathetisch aus:
Es ist herzerwärmend, den Erfolg unseres heutigen zweiten Treffens der Gebergruppe für Palästina zu sehen, an dem 65 Länder und Institutionen teilgenommen haben. Wir haben fast 900 Millionen Euro für den frühen Wiederaufbau im Gazastreifen gesammelt.
Der Kontrast zur Realität vor Ort
UN- und EU-Schätzungen beziffern den Bedarf für einen vollständigen Wiederaufbau auf bis zu 71 Milliarden Dollar über die nächsten zehn Jahre. Die zugesagten 883,6 Millionen Euro decken damit nur einen kleinen jenes Plans, der für EU-Bürger noch viel teurer kommen dürfte.
