Laut der aktuellen Day‑Ahead‑Marktprognosen Analyse liegt der durchschnittliche Börsenstrompreis am heutigen Dienstag bei rund zehn Cent pro Kilowattstunde netto, steigt aber ab 18 Uhr sprunghaft an und wird um 19.45 Uhr einen Spitzenwert von fast 53 Cent pro Kilowattstunde netto erreichen. Zum Tageswechsel soll der Preis wieder fallen, um Mitternacht dürfte er aber noch immer bei 16,57 Cent pro Kilowattstunde netto liegen.
Keine souveräne Strompolitik
Das sind die nüchternen Fakten für die Strompreisentwicklung. „Hattmannsdorfers Märchen vom Billigstromgesetz hat wieder einmal den Realitätscheck nicht überlebt“, stellen die freiheitlichen Energiesprecher Axel Kassegger und Paul Hammerl fest.
Die schwarz-rot-pinke Regierung hatte den Menschen dynamische Stromtarife als Sparmodell verkauft, in Wahrheit würden private Haushalte und Gewerbetreibende damit direkt in die spekulative Realität des hochvolatilen Spotmarktes getrieben. Statt die Abhängigkeit davon infragezustellen und Energiesouveränität anzustreben, herrscht Schweigen im Walde.
Vom Wetter abhängig
Die FPÖ führt die Gründe dafür diese Volatilität auch auf die Wetterabhängigkeit des Systems zurück. Denn wenn Strom aus wetterabhängigen Energiequellen wie Wind und Sonne kommt, ist der Strompreis auf Gedeih und Verderb vom Wetter abhängig. Doch das ist nicht alles, so die Politiker:
Das eigentliche Problem ist viel größer. Bei Hitze steigt der Strombedarf durch Kühlung, gleichzeitig schwächelt die Windkraft, weil Hitzeperioden häufig mit Hochdrucklagen und Flauten einhergehen.
Dazu kommt, dass Wasserkraft bei niedriger Wasserführung weniger liefert und Kernkraftwerke in Europa bei hohen Flusstemperaturen Kühlprobleme bekommen können. In der Folge werde der Markt „zum Wettercasino“.
Keine gesicherte Leistung mehr
Auch das Marktmechanik‑Argument der FPÖ ist deutlich: „Das sind Knappheitspreise. In diesen Stunden wird nicht nur bezahlt, was die Erzeugung kostet, sondern was die wenigen noch liefernden Kraftwerke verlangen. Unser Energiesystem wurde damit der gesicherten Leistung beraubt.“
Preistreiber COâ‚‚-Kosten
Kritisch sehen Kassegger und Hammerl zudem die Belastung durch CO₂‑Kosten: „Der CO₂‑Preis hat sich gegenüber früheren Niveaus nahezu verfünfzehnfacht und ist zu einem der zentralen Kostentreiber im Stromsystem geworden.“
Ergänzend dazu warf die FPÖ der Regierung politisch veranlasste Stilllegungen konventioneller Kraftwerke vor:
In den letzten Jahren wurden konventionelle Kraftwerke stillgelegt, verhindert oder politisch schlechtgeredet. Gleichzeitig wurde so getan, als könne man ein Industrieland allein mit wetterabhängiger Erzeugung sicher und günstig versorgen. Jetzt zeigt sich aber ganz transparent die Realität.
Nach nur einer Woche: Ankündigung geplatzt
Erst vor einer Woche hatte Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) vollmundig angekündigt, er wolle „Schluss machen mit Klimapolitik um jeden Strompreis“. Bei einer Diskussionsrunde zur Industriestrategie betonte er Versorgungssicherheit, Leistbarkeit und Unabhängigkeit als zentrale Ziele und kündigte Maßnahmen an — darunter ein Beschleunigungsgesetz für Schlüsseltechnologien, die Senkung der Lohnnebenkosten um ein Prozent und die Einführung eines Industriestrompreises mit Jahresende.
Genau das Gegenteil tritt heute ein.
Rosa Elefant im Raum
Dabei ist allen klar, was die Energie verteuert. Michael Strugl (Verbund) erinnerte daran, dass Klimawandel „uns Milliarden kostet“. Gleichzeitig fordert er, dass die „massive Elektrifizierung in allen Sektoren“ bezahlbar bleiben müsse.
Tatsächlich weist eine weitere Analyse darauf hin, dass gerade im Sommer Potenzial zur Preisentlastung besteht: Tagsüber liefert Photovoltaik viel Strom, nämlich 15 Prozent des heimischen Verbrauchs zur Mittagszeit. Laut einer Studie wäre ein Einsparpotenzial beim Strompreis von 7,5 Cent pro Kilowattstunde möglich, sofern Batteriespeicher ausgebaut werden.
Politik, die die Gretchenfrage nicht stellt
Doch es findet keine Diskussion über technische Lösungen statt, geschweige denn über die Folgen der grünen Energiepolitik. Lieber verspricht die Regierung Strompreise, die sie dann nicht halten kann.


