Lange hielt die Linzer SPÖ ihrem Bürgermeister Klaus Luger die Treue, doch dann trat er selbst von seinem Amt zurück.

24. April 2026 / 08:15 Uhr

Vorwurf der Untreue: Ehemaliger Linzer SPÖ-Bürgermeister vor Gericht

Der ehemalige Linzer SPÖ-Bürgermeister Klaus Luger muss sich vor dem Landesgericht Linz wegen eines Untreue‑Delikts verantworten. Ursprünglich war das Verfahren über eine Diversion beendet worden, das Oberlandesgericht Linz hat die Einstellung aber einkassiert, sodass der Prozess nun doch stattfindet.

Rechtsgutachten im LIVA‑Bewerbungs‑Skandal

Luger wird vorgeworfen, in seiner Zeit als Bürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzender der Linzer Veranstaltungs‑GmbH (LIVA) ein Rechtsgutachten zu einem Bewerbungs‑ und Hearing‑Verfahren in Auftrag gegeben zu haben, obwohl er selbst als „undichte Stelle“ erkannt wurde. Konkret geht es darum, dass Hearingfragen im Auswahlverfahren für die LIVA‑Geschäftsführung vorab an den schließlich zum Zug gekommenen Kandidaten Dietmar Kerschbaum gelangt waren.

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Das Gutachten wurde über die LIVA, also aus öffentlich finanzierten Mitteln, abgerechnet; die Kosten beliefen sich auf rund 19.000 Euro. Luger hat diese Beträge inzwischen vollständig ersetzt.

Diversion zunächst eingeleitet, dann aufgehoben

Anfang 2026 wurde das Strafverfahren wegen Untreue zunächst eingestellt, nachdem Luger eine Zahlung von 20.000 Euro â€“ inklusive Geldstrafe und Verfahrenskosten – geleistet hatte. Das Gericht sah darin eine ausreichende Schadensgutmachung und Sühne, da Luger die Verantwortung übernommen und 2024 sein Amt zurückgelegt hatte. Die Staatsanwaltschaft Linz legte jedoch Beschwerde ein, weil – nach ihrer Ansicht – die Voraussetzungen für eine Diversion (insbesondere eine „leichte Schuld“ des Angeklagten) nicht vorliegen. Das Oberlandesgericht Linz bestätigte diese Einschätzung und kippte die Diversion, sodass das Verfahren neu aufgerollt wird.

Bis zu drei Jahre Haft drohen

Wie das Landesgericht Linz nun bekanntgab, startet am 3. Juli 2026  die Hauptverhandlung. Auf dem Plan stehen die Einvernahme des Beschuldigten Luger sowie die Befragung mehrerer Zeugen, darunter des ehemaligen Rechtsvertreters, zweier damaliger Aufsichtsratsmitglieder der LIVA sowie die des früheren kaufmännischen Geschäftsführers der LIVA. Der Strafrahmen für das Untreue‑Vergehen beträgt bis zu drei Jahre Freiheitsstrafe, je nachdem, wie der Tatbestand und die Schuld im Einzelfall bewertet werden.

SPÖ hielt zu Angeklagtem

Klaus Luger war von 2013 bis August 2024 Bürgermeister von Linz. Schon vor dem Ende seiner Amtszeit trat er als Stadtparteichef zurück und legte in der Linzer SPÖ alle Parteiämter nieder, blieb aber bis zum Rücktritt offiziell Bürgermeister. Die Affäre um die Hearingfragen und das Gutachten hatte zu massiven Turbulenzen im Linzer Gemeinderat geführt; die Linzer SPÖ hatte ursprünglich Luger noch öffentlich das Vertrauen ausgesprochen, bevor er selbst den Rückzug aus dem Amt bekanntgab.

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