Eine neue Umfrage bringt Bewegung in die Klagenfurter Stadtpolitik. Während die FPÖ massiv zulegt, verliert Bürgermeister Christian Scheider (Freie Soziale Bürgerpartei FSP) weiter an Unterstützung. Querelen im Stadtsenat, leere Kassen und ein umstrittenes Hallenbad-Projekt haben die Stimmung in der Landeshauptstadt spürbar belastet.
Freiheitliche legen stark zu
Wie die Kleine Zeitung berichtet, kommt in der von der SPÖ in Auftrag gegebenen Erhebung des Instituts “Jaksch & Partner” die FPÖ derzeit auf 35,9 Prozent – ein enormer Zuwachs gegenüber der Gemeinderatswahl 2021, als die Partei gerade einmal 10,8 Prozent erreicht hatte. Damit liegt sie knapp vor der SPÖ, die auf 33,2 Prozent kommt (2021: 31,2) und wäre damit sensationell auf Platz eins. Deutlich im Minus sind die ÖVP mit 9,2 Prozent (2021: 15,6) und das Team Kärnten/Scheider, das von 22,4 Prozent auf 8,3 Prozent abstürzt. Grüne und Neos verlieren ebenfalls. Für die FPÖ ist das Ergebnis ein klarer Bestätigungs-Trend: Sie profitiert in Klagenfurt vom bundesweiten Höhenflug und stellt sich zunehmend als Alternative zum zerstrittenen Stadtregiment dar.
Bürgermeister ohne Rückhalt im Volk
Besonders deutlich zeigt sich die Krise bei der Frage nach dem Bürgermeister. Amtsinhaber Scheider erreicht nur 14,2 Prozent Zustimmung. Die Herausforderer Ronald Rabitsch (SPÖ) und Sandra Wassermann (FPÖ) kommen mit jeweils rund zwölf Prozent bereits in Schlagdistanz. Mehr als die Hälfte der Befragten lehnt alle Kandidaten ab oder ist unentschlossen. Meinungsforscher Wolfgang Tomaschitz analysiert, dass 14 Prozent für einen amtierenden Bürgermeister ein wahnsinnig niedriger Wert ist. Er spricht von einer “sehr seltenen kritischen Stimmung gegenüber der politischen Führung”.
Finanznöte und Stillstand belasten die Stadt
Gefragt nach den dringendsten Herausforderungen, nannten die Befragten vor allem die angespannte Finanzlage (38 Prozent) sowie Verkehr, Infrastruktur und das Hallenbad (je 27 Prozent). Für 22 Prozent stehen Verwaltung und Stadtpolitik im Vordergrund, wobei sogar der Begriff “Korruption” fiel – ein Hinweis auf tiefes Misstrauen in der Bevölkerung. Sicherheit und Migration, sonst oft zentrale Themen, spielen in Klagenfurt eine geringere Rolle. Die FPÖ verweist seit Jahren auf Missstände in der Stadtpolitik und stellt sich nun als Sprachrohr einer unzufriedenen Wählerschaft dar. Ihr Höhenflug in der Umfrage deutet darauf hin, dass dieses Angebot zunehmend Gehör findet.
Politisches Erdbeben möglich
Sollte die FPÖ ihren Aufwärtstrend halten und bei der Gemeinderatswahl 2027 tatsächlich stärkste Kraft werden und sogar die Bürgermeisterwahl gewinnen, wäre das ein politisches Erdbeben. Noch nie ist es den Freiheitlichen gelungen, in einer österreichischen Landeshauptstadt das Bürgermeisteramt zu erobern. Während in Wien die SPÖ dominiert, in Innsbruck und Salzburg ÖVP und ÖVP-nahe Kräfte prägend sind und in Linz oder Eisenstadt die FPÖ kaum Fuß fassen konnte, zeichnet sich laut der Umfrage in Kärnten ein völlig anderes Bild ab. Trotz einem “roten” Landeshauptmann gilt Kärnten seit Jahrzehnten als “blaues” Kernland, das den Freiheitlichen immer wieder Spitzenresultate ermöglicht. Sollte nun auch die Landeshauptstadt Klagenfurt fallen, wäre das ein historischer Schritt und ein deutliches Signal für den Erfolg der Freiheitlichen im südlichen Bundesland.


