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Sophie Karmasin / Umfragen

Gegen die frühere ÖVP-Familienministerin Sophie Karmasin, derzeit in U-Haft, ermittelt die WKStA wegen Untreue und Bestechlichkeit. Sie soll mit Zeitungen gemeinsame Sache gemacht und getürkte Umfragen veröffentlicht haben.

16. März 2022 / 11:26 Uhr

„Heute“ wehrt sich gegen Vorwurf von gefälschten Politik-Umfragen

Laut einem Bericht der Tageszeitung Österreich am 12. März soll Meinungsforscherin Sabine Beinschab bei der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) gefälschte SPÖ-Umfragen in der Zeitung Heute ausgeplaudert haben. Unzensuriert bat daraufhin die Geschäftsführung von Heute um eine Stellungnahme dazu, doch bis Redaktionsschluss kam nichts. Gestern, Dienstag, erreichte uns dann doch noch eine Mail von Heute-Geschäftsführer Wolfgang Jansky, der zu den Vorwürfen ausführlich Stellung bezog.
Beinschab soll „ausgepackt“ haben
Zum Sachverhalt: Österreich berichtete, dass Sabine Beinschab am 14. Februar 2022 „ausgepackt“ habe. Nach ihrer Aussage habe sie von 2009 bis 2013 für ihre damalige Chefin Sophie Karmasin und deren Meinungsforschungs-Institut „Market Intelligence“ regelmäßig Meinungsumfragen für die SPÖ und die Gratis-Zeitung Heute durchgeführt. Wörtlich heißt es weiter im Artikel mit dem Titel „Beinschab outet gefälschte SPÖ-Umfragen in Heute“:

Im Gegensatz zu den parteiunabhängigen Politik-Umfragen in ÖSTERREICH und den Zusatzfragen für das Finanzministerium seien die SPÖ-Umfragen jedoch in einer Vielzahl der Fälle gefälscht gewesen. Diese Fälschungen und die Veröffentlichung der gefälschten Umfragen in „HEUTE“ sei in einer Gesprächsrunde zwischen der SPÖ-Geschäftsführung, der Geschäftsführung von „HEUTE“ und Vertretern des Karmasin-Instituts ausdrücklich so besprochen gewesen.

Heute-Geschäftsführer widerspricht Österreich-Bericht
Dieser Darstellung widerspricht nun der Geschäftsführer von Heute, Wolfgang Jansky. In einer Stellungnahme schreibt er an die Unzensuriert-Redaktion (hier im Original):

Zu der von ihnen übersendeten Anfrage erlaube ich mir wie folgt Stellung zu nehmen: Vorausschicken möchte ich, dass ich weder Frau Beinschab noch die im Protokoll angeführten Personen, Pöchhacker und Topolnik, kenne und daher auch nie Kontakt zu ihnen hatte. Mit dem Umfrageinstitut Karmasin, hatte „HEUTE“ geschäftliche Beziehungen, und zwar konkret zwischen April 2012 und Nov 2013. Davor arbeiteten wir bei Umfragen mit OGM (das ganze Jahr 2011) und teilweise mit IFES zusammen, nach 2013 mit dem Institut Hajek/Unique Research.
Diese Umfragen für „HEUTE“ bestanden aus regelmäßigen Polit-Barometern/Sonntagsfragen und Fragen zu politisch aktuellen Themen, die der Redaktion interessant erschienen (mit einer ausgewiesenen Stichprobe von n800/bzw. n500). Die Leistungen wurden immer von „HEUTE“ beauftragt und auch bezahlt. Alle Umfragen mit Sonntagsfragen sind auf den Internetseiten NEUWAL.com und Sonntagsfragen Österreich 2006-2021 (strategieanalysen.at) abrufbar. Bei Durchsicht werden Sie feststellen, dass die „HEUTE“-Umfragen in keiner Weise von den Umfragen anderer Meinungsforschungsinstitute abweichen, insbesondere nicht von jenen von KARMASIN durchgeführten wöchentlichen Umfragen für das PROFIL im Zeitraum 2012 + 2013.
Wir gehen daher davon aus, dass alle Leistungen die KARMASIN für „HEUTE“ erbracht hat und von uns bezahlt wurden, mit der nötigen wissenschaftlichen Sorgfalt erbracht wurden und hatten auch nie einen Grund daran zu zweifeln. „HEUTE“ kooperiert selbstverständlich mit keiner politischen Partei. Kooperationen gibt es ausschließlich mit anderen Medienpartnern. Zum Beispiel: gemeinsame Umfragen mit PROFIL und ATV, um ein größeres Sample mit geringerer Schwankungsbreite zu erreichen.

Österreich selbst im Fokus der Ermittlungen
Dass Österreich die Gratis-Zeitung Heute der getürkten Umfragen beschuldigt, verwundert, da das Fellner-Blatt in der „Inseraten-Affäre“ – manipulierte Umfragen gegen Inserate – selbst im Fokus von Ermittlungen der WKStA steht. Beide Medien weisen diesbezügliche Beschuldigungen entschieden zurück. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Karmasin bleibt in Untersuchungshaft
Abseits des Kriegs der Zeitungen führt die WKStA ihre Ermittlungen zu dieser Causa unbeirrt weiter. So wurde die frühere ÖVP-Familienministerin Karmasin Anfang März verhaftet und danach in U-Haft genommen. Ein Enthaftungsantrag beim Wiener Landesgericht für Strafsachen wurde am Montag dieser Woche abgelehnt. Die WKStA, die gegen Karmasin in der ÖVP-Inseratenaffäre wegen Untreue und Bestechlichkeit und daneben wegen Geldwäscherei und Vergehen gegen wettbewerbsbeschränkende Absprachen ermittelt, geht weiter von Tatbegehungsgefahr aus.
Kommen auch Politiker in die Bredouille?
Spannend wird auch, welche Politiker im Zuge der Ermittlungen noch in die Bredouille kommen, oder ob mit Beinschab und Karmasin bereits zwei „Bauernopfer“ möglicher politischer Hintermänner gefunden wurden.

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