WKO-Präsidentin Martha Schultz hat mit ihrer Forderung nach einer Verkürzung von neun auf sechs Wochen die Debatte um die Sommerferien neu entfacht.
WKO-Chefin will drei Ferienwochen streichen
„Sechs statt derzeit neun Wochen würden reichen“, erklärte Schultz in der ORF-„ZIB 1“. Aus ihrer eigenen Branche und aus anderen Wirtschaftsbereichen höre sie immer wieder Klagen über die lange schulfreie Zeit.
Als Hauptargument nennt die Präsidentin der Wirtschaftskammer die Belastung berufstätiger Eltern. Neun Wochen Sommerferien stehen bei Arbeitnehmern in der Regel nur fünf Wochen Jahresurlaub gegenüber. Diese Lücke müsse durch Ferienlager, kostenpflichtige Betreuung, Verwandte oder eine abwechselnde Urlaubsplanung der Eltern geschlossen werden.
Offene Diskussion gefordert
Besonders häufig treffe dieses Problem Frauen, weil Mütter nach wie vor den größeren Teil der Betreuung und Care-Arbeit übernähmen. Kürzere Ferien wären nach Ansicht von Schultz daher vor allem eine „Verbesserung für die Frauen“ und für alle Menschen mit Betreuungspflichten. Zumindest müsse man offen über das bestehende Modell diskutieren.
Wiener Elternvertreter fordern ebenfalls sechs Wochen
Schultz ist mit ihrem Vorstoß nicht allein. Bereits im Juni forderte der Landesverband der Wiener Pflichtschulelternvereine, die Sommerferien von neun auf sechs Wochen zu verkürzen.
Der Vorsitzende des Verbandes, Georg Brockmeyer, bezeichnete die derzeitige Regelung als nicht mehr zeitgemäß. Lange Ferien erschwerten nicht nur die Betreuung, sondern könnten bei Kindern auch zu Lernverlusten führen. Andere europäische Länder wie Deutschland und Dänemark kämen ebenfalls mit kürzeren Sommerferien aus.
Lehrervertreter warnen vor übereilten Änderungen
Skepsis kommt vor allem von Lehrervertretern. Der Vorsitzende der Pflichtschullehrergewerkschaft, Anton Polivka, verwies darauf, dass zusätzliche Unterrichtswochen auch dienstrechtliche und personelle Fragen aufwerfen würden. Die Arbeitsbedingungen der Lehrer könnten nicht einseitig verändert werden.
Auch pädagogisch sei eine Verkürzung umstritten. Kinder bräuchten ausreichend Zeit, um Abstand vom Schulalltag zu gewinnen und sich zu erholen. Hinzu komme, dass es bereits jetzt an Lehrern und Betreuungspersonal fehle. Drei zusätzliche Schulwochen könnten daher nicht ohne erhebliche Mehrkosten und neue Personalressourcen organisiert werden.
Bundesregierung hat noch keinen konkreten Plan
Das Bildungsministerium zeigte sich gegenüber einer generellen Verkürzung der Sommerferien bisher zurückhaltend.
Auftrieb erhält die Forderung nach mehr Unterricht durch die Ergebnisse der aktuellen PISA-Studie: Rund ein Viertel der 15-Jährigen verfügt in Mathematik und Lesen nur über geringe Grundkompetenzen.
