Für NEOS-Gründer Matthias Strolz ist die Ausgrenzungspolitik gegenüber den Freiheitlichen schlicht „Bullshit“ – damit geht er klar auf Distanz zur Parteiführung von Beate Meinl-Reisinger.

26. August 2026 / 13:00 Uhr

Pinker Gründer bricht mit Parteilinie: Strolz für Zusammenarbeit mit FPÖ

Selbst ein prominentes NEOS-Urgestein stellt die politische Brandmauer gegen die FPÖ infrage: Matthias Strolz bezeichnete die Ausgrenzung der Freiheitlichen als „Bullshit“ und sprach sich grundsätzlich für eine Zusammenarbeit mit der FPÖ aus. Damit stellt ausgerechnet jener Mann die derzeitige politische Trennlinie infrage, der die NEOS einst gegründet und bis 2018 geführt hatte.

Strolz: „Natürlich“ mit FPÖ zusammenarbeiten

Ausgangspunkt ist ein aktuelles Interview von Strolz bei oe24.TV. Auf die Frage, ob man auch mit der FPÖ zusammenarbeiten sollte, antwortete der frühere NEOS-Chef eindeutig: „Natürlich.“ Zuvor hatte er die Vorstellung einer Brandmauer scharf zurückgewiesen. „Diese Idee, da eine Brandmauer einzuziehen oder so, und da drüben sind die Schmutzfinken, da sind die Guten. Das ist Bullshit. Das halte ich für Blödsinn“, stellte er klar.

Strolz begründete seine Haltung mit dem Wunsch nach einer anderen politischen Zusammenarbeit. Österreich habe eine Tradition des gemeinsamen Anpackens gehabt, erklärte er im Gespräch. Eine Rückkehr in die Parteipolitik schloss er gleichzeitig nicht grundsätzlich aus, ein neuerlicher Parteigründer wolle er aber nicht werden.

Offene Distanz zur eigenen Parteispitze

Brisant wird die Aussage vor allem vor dem Hintergrund des mittlerweile deutlich erkennbaren Abstands zwischen Strolz und der heutigen NEOS-Führung. Strolz übergab den Parteivorsitz 2018 an Beate Meinl-Reisinger. In jüngerer Vergangenheit kritisierte er die Entwicklung der Partei und bezeichnete die Kommunikation mit Meinl-Reisinger als „ehrlos“. Außerdem äußerte er Zweifel daran, dass die derzeitige Dreierkoalition bis 2029 bestehen wird.

Auch Meinl-Reisinger selbst wurde erst kürzlich mit den innerparteilichen Konflikten konfrontiert. Im ORF-Sommergespräch vom erklärte sie den Ausschluss des NEOS-Mitgründers Veit Dengler mit einem angeblichen „Vertrauensbruch“. Zugleich betonte sie, die Partei sei weiterhin offen für andere Meinungen.

Schnedlitz sieht „Selbstaufgabe“

Die FPÖ versucht nun, Strolz’ Aussagen politisch gegen die amtierende NEOS-Spitze zu wenden. FPÖ-Generalsekretär Michael Schnedlitz erklärte am Mittwoch, der Parteigründer erkenne damit, dass eine Zusammenarbeit mit der FPÖ sinnvoll sei. Gleichzeitig warf er Meinl-Reisinger vor, die ursprünglichen Reformansprüche der NEOS aufgegeben zu haben.

Schnedlitz verbindet die aktuellen Aussagen mit seiner grundsätzlichen Kritik an der Regierungsbeteiligung der NEOS. Bereits im Juni hatte er die Partei als „innenpolitisches Reserverad“ von ÖVP und SPÖ bezeichnet und ihr vorgeworfen, Belastungsmaßnahmen und Rekordverschuldung mitzutragen. Das sind politische Vorwürfe der FPÖ; die NEOS weisen die Darstellung ihrer Regierungsarbeit entsprechend anders aus.

Der Konflikt innerhalb der NEOS ist damit nicht beendet

Die jüngsten Aussagen zeigen jedenfalls eine auffällige Spannung: Während Strolz eine Zusammenarbeit mit der FPÖ ausdrücklich für möglich hält, steht die aktuelle NEOS-Führung weiterhin in einer Regierung mit ÖVP und SPÖ. Zugleich sorgten in den vergangenen Monaten innerparteiliche Konflikte und der Ausschluss Denglers für Schlagzeilen.

Ob aus Strolz’ Aussagen ein dauerhafter politischer Kurswechsel entsteht, ist offen. Eine Rückkehr in die Parteipolitik schloss der NEOS-Gründer jedenfalls derzeit aus. Fest steht aber: Die Brandmauer gegen die FPÖ hat ausgerechnet beim Gründer der pinken Partei einen prominenten Gegner gefunden.

Unterstützen Sie unsere kritische, unzensurierte Berichterstattung mit einer Spende. Per paypal (Kreditkarte) oder mit einer Überweisung auf AT58 1420 0200 1086 3865 (BIC: BAWAATWW), ltd. Unzensuriert

Teile diesen Artikel

    Diskussion zum Artikel auf unserem Telegram-Kanal:

Politik aktuell

26.

Aug.

14:51 Uhr

Wir infomieren

Unzensuriert Infobrief

Unzensuriert Video-Empfehlung:
Der Saustall am Küniglberg bleibt uneinsichtig.
Klicken um das Video zu laden
Erst nach dem Klick wird eine Verbindung zu YouTube hergestellt.