Was im Pilnacek-Untersuchungsausschuss gestern, Donnerstag, ans Licht kam, wirft die Frage auf: „Kann man da wirklich zur Tagesordnung übergehen?“ Eine mutige Gemeindeärztin berichtete von aufgeschlitzten Reifen am Auto ihres Sohnes, eingeschlagenen Scheiben und ihrer Webseite, die am Tag der Befragung plötzlich offline ist.Â
Trauen Politik und Staat ziemlich böse Dinge zu
Wer bei all diesen „Zufällen“ nicht an Einschüchterungsversuche denkt, glaubt wohl auch noch an das Christkind und an eine ÖVP, die im Fall Pilnacek tatsächlich an Aufklärung interessiert ist. Zuletzt hatte sogar Falter-Chef Florian Klenk in der Sendung „ORF III Aktuell“ die wahrscheinlich für die ÖVP gar nicht schmeichelhafte Aussage getätigt:
Dass, was uns die Geschichte eigentlich erzählt, ist, dass wir Österreicher mittlerweile der Politik und auch dem Staat ziemlich böse Dinge zutrauen. Und darüber sollte man einmal nachdenken, warum wir das tun.
Ex-Kanzler-Sohn glaubt nicht an Selbstmord
Viele Österreicher bekommen mehr und mehr den Eindruck, dass es sich beim mysteriösen Tod des früheren Sektionschefs im Justizministerium, Christian Pilnacek, nicht um Selbstmord handeln könnte. Wie berichtet, glaubt auch der Sohn von Ex-SPÖ-Kanzler Christian Kern, Niko Kern, nicht an die Suizid-Theorie. Zu viele komische Dinge sind seit dem Auffinden der Leiche am 20. Oktober 2023 in einem Altarm der Donau in Rossatz-Arnsdorf (NÖ, Bezirk Krems) passiert.Â
Verdacht, dass hier etwas vertuscht werden soll
„So etwas habe ich noch nie zuvor erlebt“, sagte die Gemeindeärztin am Donnerstag im U-Ausschuss aus. Sie meinte damit die rund 15 Minuten andauernde Diskussion mit Polizisten, ob eine Obduktion durchgeführt werden solle. Das kam auch dem freiheitlichen Fraktionsführer im U-Ausschuss, Christian Hafenecker, merkwürdig vor. In einer Aussendung sagte er:
Wenn eine erfahrene Ärztin 15 Minuten lang von Polizisten bedrängt wird aufgrund ihrer Forderung nach einer Obduktion, ist das bereits besorgniserregend. Wenn dieselben Beamten dann aber im Nachhinein behaupten, es hätte nie Druck gegeben, dann wirft das nur noch mehr Fragen auf und bestärkt den Verdacht, dass hier etwas vertuscht werden soll.
Jede Befragung wirft neue Fragen und Widersprüche auf
Hafenecker betonte zudem, dass der Befragungstag erneut bewiesen habe, wie notwendig dieser Untersuchungsausschuss sei. Mit jeder Befragung würden neue Fragen und Widersprüche auftauchen, die nach lückenloser Aufklärung verlangen. Die Umstände, wie Pilnacek zu Tode gekommen war, sind nicht Gegenstand des U-Ausschusses, der allerdings klären möchte, ob es im Zuge der Ermittlungen zu Behörden-Versagen kam. Und das dürfte bereits feststehen.
