Bundeskanzler Werner Faymann hat Griechenland gestern im Alleingang gerettet. Der mutige und umsichtige Lenker Österreichs hat die zaudernden Kollegen aus den anderen EU-Staaten auf einen entschlossenen Kurs eingeschworen, mit dem Griechenland nicht bloß gerettet, sondern dank eines ambitionierten „Marshall-Plans“ in eine der prosperierendsten Regionen des gesamten Euro-Raums verwandelt wird. Faymann wird auch die Zügel führen bei der längst überfälligen Gründung einer Europäischen Ratingagentur. Und die Finanztransaktionssteuer ging sich nur deshalb nicht aus, weil alle ihr Zitronensorbet, das es beim Arbeitsessen zur Nachspeise gab, so schnell zusammengelöffelt haben und dann müde, glücklich und unserem Bundeskanzler in höchstem Maße dankbar den Gipfel verlassen haben. „Die beschließen wir beim nächsten Mal“, verspricht Faymann der Tageszeitung Österreich.
Kommentar von Alexander Höferl
Screenshot: oe24.at
Deren Herausgeber Wolfgang Fellner hat die dankenswerte Aufgabe übernommen, den österreichischen Bürgern die Großtaten ihres Kanzlers in gebührender Form zu vermitteln. Faymann ist die „Notoperation“ der EU geglückt, verkündet er in seinem Kommentar. Da ist es nur konsequent, dass die „Ösis“ nun als die Euro-Retter tituliert werden, wenn der Euro gleich "wie eine Rakete" von 1,42 auf 1,44 Dollar steigt
Die gute Presse sei dem Kanzler gegönnt. Soll er gar nichts haben von den vielen Inseraten, wegen derer er sich lästigerweise demnächst mit der Staatsanwaltschaft herumschlagen muss? Aus Erfahrung wissen wir ohnehin: Die Halbwertszeit von Euro-Rettungen sinkt mit jedem neuen Kraftakt. Und dank Österreich ist auch klargestellt, wer schuld ist, wenn die Sache wieder schiefgeht.