Rund 1.000 Schützen versammelten sich am 25. Oktober auf dem Bozner Waltherplatz zum Großen Österreichischen Zapfenstreich.
Viel Prominenz bei Bekenntnisveranstaltung
Am Vorabend des österreichischen Staatsfeiertags wurde die rot-weiß-rote Fahne gehisst, Musik erklang; mit Kranzniederlegung und Ehrensalven gedachten die Teilnehmer der verstorbenen Vorfahren, die sich für die Heimat eingesetzt hatten.
Unter den Gästen waren Landeshauptmann-Stellvertreterin Rosmarie Pamer und Altlandeshauptmann Luis Durnwalder (beide SVP) sowie Österreichs Generalkonsul Wolfgang Lukas Strohmayer. Die Schirmherrschaft hatte die Stadt Bozen übernommen.
Eine Verbundenheit, die Staatsgrenzen überdauert
Umso befremdlicher waren die Schwierigkeiten im Vorfeld: Behörden hatten das Hissen der österreichischen Fahne infrage gestellt und die traditionellen Ehrensalven kurzfristig erheblich einschränken wollen. Der Schützenbund forderte Österreich auf, sich für die Rechte und die Identität der Südtiroler einzusetzen, was FPÖ-Südtirol-Sprecher Christofer Ranzmaier sofort aufgriff:
Südtirols Verbundenheit mit Österreich ist keine genehmigungspflichtige Gesinnung!
Der Nationalratsabgeordnete kündigte eine parlamentarische Anfrage an Außenministerin Beate Meinl-Reisinger von den Neos an. Sie soll bei den italienischen Stellen klären lassen, weshalb die Fahnenhissung zum Behördenproblem geworden sei und Ehrensalven eingeschränkt werden sollten.
Urzì greift zum NS-Vergleich
Für den Südtiroler Schützenbund stand die Feier im Zeichen einer geschichtlichen und kulturellen Zugehörigkeit, die durch die Staatsgrenze nicht ausgelöscht wird.
Völlig die Fassung verlor darüber der italienische Kammerabgeordnete Alessandro Urzì von der Regierungspartei Brüder Italiens (Fratelli d’Italia). Er bezeichnete die Schützen als „kleines Volk von Verzweifelten in Tracht“ und stellte einen Bezug zum Nationalsozialismus her.
Heftige Kritik an Urzì
Gudrun Kofler, Südtirol-Sprecherin des freiheitlichen Landtagsklubs Tirol, hält dem entgegen:
Südtirols Verbundenheit mit Österreich ist keine Provokation, sondern historische Tatsache!
Sie verweist auf die Abtrennung Südtirols von Österreich nach dem Ersten Weltkrieg gegen den Willen seiner Bevölkerung und erinnert an die Option von 1939, die Südtiroler vor die Entscheidung zwischen Auswanderung und Verbleib stellte. Die deutsche Identität der Südtiroler lässt sich nicht durch einen Verweis auf den Nationalsozialismus diskreditieren.
Knoll widerspricht der Geschichtsklitterung
Selbst die ÖVP-Schwesterpartei SVP gibt Schützenhilfe. Landessekretär Harald Stauder erklärte:
Wir lassen weder die SVP noch die Schützen von Urzì in eine rechtsextreme Ecke drängen.
Sven Knoll, Landtagsabgeordneter der Süd-Tiroler Freiheit, verteidigt das Recht der Südtiroler, sich zu ihrer Herkunft zu bekennen. Er erinnerte zugleich an Österreichs Rolle als Vertragspartner des Pariser Vertrags und bei der internationalen Absicherung der Autonomie.
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