Die Antisemitismus-Meldestelle der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (IKG) hat für das erste Halbjahr 2026 insgesamt 671 antisemitische Vorfälle in Österreich dokumentiert. Zwar bedeutet dies einen leichten Rückgang gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres mit 726 Fällen, das Niveau liegt jedoch weiterhin mehr als doppelt so hoch wie im ersten Halbjahr 2023 vor dem Terrorangriff der Hamas (311 Fälle).
Mehr als die Hälfte von Moslems und Linken
Bei der ideologischen Zuordnung stellte die IKG fest, dass bei mehr als der Hälfte der erfassten Taten ein muslimischer (191 Fälle) oder linker Hintergrund (162 Fälle) vorlag. Ein vermeintlich rechter Hintergrund wurde bei 147 Fällen registriert, während 171 Vorfälle keiner eindeutigen Ideologie zugeordnet werden konnten.
Gewalt, Bedrohungen und der Einfluss internationaler Krisen
Die erfassten Vorfälle umfassen ein breites Spektrum: Neben 347 Fällen verletzenden Verhaltens und 226 Massenzuschriften wurden 68 Sachbeschädigungen, 18 Bedrohungen und zwölf direkte körperliche Angriffe auf Juden dokumentiert.
IKG-Präsident Oskar Deutsch betonte angesichts der Entwicklung:
Seit dem 7. Oktober 2023 hat sich nicht nur die Grenze des Sagbaren, sondern auch des Machbaren verschoben. Auf antisemitische Worte folgen Drohungen und Angriffe gegen Jüdinnen und Juden. Der Ausnahmezustand ist Alltag.
Einen spürbaren Einfluss auf die Fallzahlen hatten auch internationale Konflikte. Nach dem Ausbruch des Krieges zwischen den USA, Israel und dem Iran Ende Februar verdoppelten sich die wöchentlichen Meldungen nahezu, was den März mit 152 Registrierungen zum Höhepunkt des ersten Halbjahres machte.
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