In Österreichs Finanzministerium stimmten die Zahlen am heutigen Freitag zunächst nicht: Beim erwarteten Staatsdefizit für 2026 fehlten plötzlich 600 Millionen Euro. Das Ressort musste seine eigene Prognose noch am selben Tag korrigieren.
Erst 21,4, dann 22 Milliarden Euro
Ausgerechnet bei der Prognose der Staatsfinanzen unterlief dem SPÖ-geführten Finanzministerium ein erheblicher Rechenfehler. In der ersten Aussendung wurde das gesamtstaatliche Defizit für 2026 mit 21,4 Milliarden Euro angegeben. Dieser Wert wurde nach rund dreieinhalb Stunden berichtigt: Tatsächlich soll das Minus bei rund 22 Milliarden Euro liegen.
An der Defizitquote ändert die Korrektur laut Finanzministerium allerdings nichts. Sie bleibt bei 4,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Das Defizit von Bund und Sozialversicherung wird weiterhin mit 3,1 Prozent des BIP angegeben, während Länder und Gemeinden auf ein Minus von 1,0 Prozent kommen sollen.
Ministerium spricht weiter von „Budget auf Kurs“
Bemerkenswert ist der Kontrast zwischen der millionenschweren Korrektur und der politischen Botschaft des Ressorts. Trotz des Fehlers hält das Finanzministerium an seiner Einschätzung fest: „Österreich bleibt mit seinen Budgetzielen weiterhin auf Kurs.“ Gleichzeitig wird eingeräumt, dass für den Bund keine zusätzlichen finanziellen Spielräume vorhanden seien.
Die neue Prognose stützt sich unter anderem auf aktualisierte Berechnungen der Statistik Austria. Das Bruttoinlandsprodukt für 2025 fiel demnach etwas höher aus als bisher angenommen. Die aktuelle Einschätzung des Finanzministeriums basiert zudem auf den Zahlen von Bund und Ländern für die ersten acht Monate sowie auf den Ergebnissen des Gesamtstaats für das erste Halbjahr 2026. )
Marterbauer hält an Sanierungskurs fest
SPÖ-Finanzminister Markus Marterbauer versucht dennoch, die Korrektur in den größeren Budgetkurs einzuordnen. „Die Budgetsanierung ist auf Kurs“, erklärte der Minister. Gleichzeitig verwies er auf die schwierige wirtschaftliche Lage, den Irankrieg, die Energiekrise und zusätzliche Ausgaben wie Dürrehilfen.
Der Blick auf die tatsächliche Ausgangslage zeigt, wie angespannt die österreichischen Staatsfinanzen weiterhin sind. Für 2025 weist Statistik Austria ein öffentliches Defizit von 21,464 Milliarden Euro beziehungsweise 4,2 Prozent des BIP aus. Damit lag Österreich erneut deutlich über der Maastricht-Grenze von drei Prozent.
600 Millionen Euro ändern die Größenordnung
Der aktuelle Rechenfehler macht das Defizit nicht erst groß. Er macht lediglich sichtbar, in welcher Größenordnung sich die staatlichen Fehlbeträge mittlerweile bewegen: Selbst eine Korrektur um 600 Millionen Euro verändert die Prognose zwar erheblich, lässt die grundsätzliche Dimension des Budgetlochs aber unverändert.
Für die Bundesregierung bleibt damit die zentrale Aufgabe bestehen, das Defizit tatsächlich zurückzuführen. ÖVP-Finanz-Staatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl kündigte an, den strengen Budgetvollzug fortzusetzen, um die gesetzten Ziele zu erreichen und Österreich wieder aus dem EU-Defizitverfahren zu führen.
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