Ein SPÖ-Bezirksvorsteher rechnet mit seinem eigenen Parteichef in einer Deutlichkeit ab, die selbst in der ohnehin zerrissenen Sozialdemokratie ihresgleichen sucht. Neue Auszüge aus dem berüchtigten Ruck-Tonband zeigen, wie Ernst Nevrivy, Bezirksvorsteher in Wien-Donaustadt, über Andreas Babler herzieht.
„Versoffener Bürgermeister“ und „Dumpfbacke“
Laut den von oe24 veröffentlichten Passagen sagt Nevrivy wörtlich: „Der ist ein versoffener Bürgermeister, der nichts kann.“ Und er legt nach: „Der Babler ist ja in Wahrheit eine Dumpfbacke.“ Der seit den siebziger Jahren in der Partei aktive Funktionär betont, es sei das erste Mal in seinem Leben, dass er das Gefühl habe, ein Vorsitzender sei „nicht so gescheit“ wie er selbst. „Das ist deprimierend.“ Die gesamte Führung nennt er eine „Dilettantenpartie“. Babler würde er jedenfalls „nicht als Geschäftsführer“ nehmen.
Die Aufnahmen stammen aus einem Treffen am 20. November 2025 im Weinkeller des inzwischen zurückgetretenen Wiener Wirtschaftskammer-Präsidenten Walter Ruck. Die Causa hatte bereits Wochen zuvor für erheblichen Wirbel gesorgt.
Abrechnung mit Pensionen und Mietpreisbremse
Nevrivy lässt auch an der Politik seines Parteichefs kein gutes Haar. Zur Pensionsanpassung führt er aus, man spare wenig ein und deklariere gleichzeitig Pensionen ab 2.500 Euro brutto als Luxus- und Sonderpensionen. „Das heißt, jeder Österreicher, der sein Leben lang gearbeitet hat, hat auf einmal eine Luxuspension laut Babler.“ Zur Mietpreisbremse stellt er fest: „Es gibt keinen einzigen Österreicher, der irgendwo in Österreich jemals weniger Miete gezahlt hätte.“ Dennoch brüste sich die Partei damit.
Entschuldigung nach dem Bekanntwerden
Bereits in der Vorwoche hatte sich Nevrivy für seine Äußerungen entschuldigt. Er sei mit Aussagen aus einem widerrechtlich aufgezeichneten Treffen konfrontiert worden. „Unabhängig davon, dass ich mich nicht mehr an den genauen Wortlaut der Gespräche, die wir im privaten Rahmen geführt haben, erinnern kann, will ich deutlich zum Ausdruck bringen, dass ich diese unangemessenen Aussagen zutiefst bedaure“, so der rote Funktionär. Er entschuldige sich bei allen, die er verletzt oder enttäuscht habe.
