Für satte 800.000 Euro Steuergeld entstehen in der Amundsenstraße in Wien-Hernals jetzt aufwendige Leitplanken und Tunnel – ausschließlich für Kröten, Frösche und Molche.

11. Juli 2026 / 07:00 Uhr

800.000 Euro für Kröten-Tunnel in Hernals: SPÖ treibt ideologisches Prestigeprojekt weiter voran

Seit Anfang Juli rollen die Bagger in der Amundsenstraße in Wien-Hernals. Für insgesamt 800.000 Euro entstehen dort neue feste Leitplanken aus Stahl und Holz sowie mehrere Tunnel für Erdkröten, Frösche, Molche und Feuersalamander. Die FPÖ warnt bereits scharf: Das Projekt habe mit Nachhaltigkeit oder echtem Artenschutz nichts mehr zu tun.

Hunderttausende Euro für Stahl, Holz und acht Tunnel

Die Arbeiten laufen in zwei Abschnitten. Beim Schottenhof am Restaurant Chalet Moeller entstehen auf 250 Metern Leitplanken und drei Tunnel. Dieser Teil kostet 75.000 Euro und wird zwischen dem 14. und dem 17. Bezirk aufgeteilt. Die Bauarbeiten dort sollen bis Ende August abgeschlossen sein. Beim Hanslteich folgt ab Mitte August der größere Abschnitt mit 1.344 Metern Leitplanken und fünf Tunneln. Dafür sind 725.000 Euro veranschlagt. Fertigstellung ist bis Jahresende geplant. Während der Bauarbeiten regelt eine Baustellenampel den Verkehr.

Die Stadt Wien hatte die festen Anlagen nach dreijährigem Monitoring empfohlen. In diesem Jahr retteten Freiwillige des Vereins gegen Tierfabriken bereits 225 Erdkröten, 119 Frösche, sechs Molche und 33 Feuersalamander händisch. Alle Amphibienarten Wiens stehen auf der Roten Liste. Der Bezirk Hernals trägt den Großteil der Kosten: 600.000 Euro sind heuer im Budget eingeplant, 200.000 Euro folgen 2027. Sollte die Agrarmarkt Austria (AMA) fördern, reduziert sich der Anteil des Bezirks auf rund 57 Prozent oder 456.000 Euro. Das Bezirksbudget für 2026 liegt bei rund 6,9 Millionen Euro.

Protest der Tierschützer ebnete den Weg

Das Vorhaben kommt nicht aus dem Nichts. Seit März 2013 gibt es bereits ein Amphibien-Tunnelsystem an der Amundsenstraße im Schottenwald. Es war Teil des damaligen rot-grünen Regierungs-Übereinkommens. Über Jahre hinweg sicherten Freiwillige des Vereins gegen Tierfabriken die Strecke beim Hanslteich mit provisorischen Zäunen und Kübeln. Der Verein betreut die Route seit sieben Jahren. Hunderte Helfer trugen Tausende Tiere über die Straße.

Im Februar 2026 demonstrierten Aktivisten vor dem Bezirksamt. Nach einer halben Stunde trat Bezirksvorsteher Peter Jagsch (SPÖ) vor die Menge und sagte den Bau noch für dieses Jahr zu. Finanziert werden sollte er über Bezirksmittel, notfalls mit Querfinanzierung aus Mitteln der ländlichen Entwicklung. Die Bezirksvertretung gab grünes Licht. Nun rollen die Bagger.

FPÖ-Nittmann: „Lediglich mit Ideologie vor Lebens-Qualität und -Realität“

Genau hier setzt die Kritik der FPÖ an. Bezirksobfrau Ulrike Nittmann sieht die Grenze für Hernals und seine Bewohner überschritten:

Dieses Projekt eines Amphibienschutzes in der Amundsenstraße hat leider nichts mehr mit Nachhaltigkeit oder Umwelt- und Artenschutz zu tun, sondern lediglich mit Ideologie vor Lebens-Qualität und -Realität.

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