Die FIFA steht kurz davor, die jahrelange Sperre für russische Teams zu beenden. In den kommenden Tagen will der Weltverband offiziell über die Rückkehr von National- und Vereinsmannschaften in den internationalen Spielbetrieb beraten. Ausgelöst hat das der Beschluss des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), die Sanktionen gegen russische Sportler zu lockern. Die Ukraine reagiert mit blanker Empörung.
Infantino zieht die Konsequenz
FIFA-Präsident Gianni Infantino hatte bereits im Februar deutlich gemacht, wo er steht:
We have to look at readmitting Russia. Definitely. This ban has achieved nothing; it has only created more frustration and hatred.
Er sprach sich dafür aus, zumindest auf Jugendebene wieder normale Verhältnisse herzustellen. Jungen und Mädchen aus Russland sollten Fußball spielen dürfen wie alle anderen. Das Verbot habe nur Frust und Hass erzeugt – nichts weiter. Nun, nach dem Schritt des IOC, will die FIFA die Lage neu bewerten. Russland wurde bereits zum U15-Weltturnier im Oktober in Aserbaidschan eingeladen.
Ukraine greift Infantino frontal an
Der ukrainische Sportminister Matvii Bidnyi schlägt scharf zurück.
Gianni Infantinos Worte klingen unverantwortlich – um nicht zu sagen kindisch. Sie entziehen den Fußball der Realität, in der Kinder getötet werden (…) Das Verbot ist ein wichtiger Bestandteil der internationalen Bemühungen, den Aggressor zu stoppen. Es handelt sich um ein Verbrechen und Sie wollen dieses Verbrechen legitimieren.
Für Bidnyi ist jede Rückkehr russischer Teams eine politische Kapitulation. Der Fußball soll weiter als Druckmittel dienen – koste es, was es wolle.
Der Fußball leidet unter der Politik
Jahrelang mussten russische Spieler und Fans für Entscheidungen in Moskau büßen. Keine WM-Qualifikation, keine Europameisterschaft, keine Champions League. Dabei spielten die Teams weiter Freundschaftsspiele und blieben im FIFA-Ranking präsent – aktuell auf Platz 35. Die Sperre änderte nichts am Kriegsgeschehen. Sie bestrafte Unbeteiligte und trieb junge Talente in die Isolation. Der Sport wurde zum verlängerten Arm der Geopolitik gemacht. Genau das soll jetzt ein Ende haben.
