Kasia Greco dürfte wohl den wenigsten ein Begriff sein. Es handelt sich dabei um eine nicht amtsführende Stadträtin der ÖVP in Wien, die bisher kaum in Erscheinung getreten ist – und jetzt trotzdem mit einer der höchsten Auszeichnungen des Landes geehrt wird.
Um welche Verdienste geht es überhaupt?
Die ÖVP-Politikerin, die in ihrem Amt eigentlich keine Aufgaben hat, dafür aber eine fürstliche monatliche Vergütung von mehr als 11.000 Euro erhält, konnte sich gestern, Mittwoch, über das Große Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich freuen. Da stellt sich die Frage: Für welche besonderen Dienste wurde sie geehrt?
ÖVP-Ministerium schlägt ÖVP-Politikerin vor
Der Vorschlag kam vom ÖVP-geführten Wirtschaftsministerium, wie die Kronen Zeitung berichtete. Von dort ging er an das Innenressort von ÖVP-Minister Gerhard Karner und anschließend an die Hofburg, den Amtssitz von Bundespräsident Alexander Van der Bellen. Dieser schien verhindert und beauftragte Wiens SPÖ-Bürgermeister Michael Ludwig mit der Verleihung des Ordens im Wiener Rathaus.
Unspektakulärer Lebenslauf reicht für große Ehrung
Auch im Innenministerium scheint man nicht so recht zu wissen, worin Grecos besondere Verdienste um Österreich liegen. Auf Nachfrage teilte man dort mit, dass „die Genannte“ sich „in den letzten 15 Jahren für die Förderung von Frauen in der Wirtschaft bzw. in der Geschäftswelt eingesetzt“ habe.
Und es geht weiter mit dem eher unspektakulären Lebenslauf:
Sie war mehr als sechs Jahre Sprecherin für Einzelpersonenunternehmen in der Wirtschaftskammer und setzte sich in dieser Funktion vor allem für die Verbesserung der Rahmenbedingungen dieser Unternehmenssparte ein.
Mit ihrem neuen Verdienstorden befindet sich die ÖVP-Stadträtin – die laut einer repräsentativen Umfrage 42 Prozent der Bevölkerung überhaupt nicht bekannt ist – nun in prominenter Gesellschaft, unter anderem mit dem ehemaligen UN-Generalsekretär Kofi Annan oder dem Sänger Freddy Quinn.
Auch in Brüssel werden Orden verteilt
Solche Ordensorgien sind freilich nicht neu. Sowohl in der heimischen als auch in der internationalen Politik werden immer wieder Auszeichnungen an Personen vergeben, deren Verdienste durchaus hinterfragt werden.
Auf EU-Ebene wurde unlängst, wie berichtet, der „Europäische Verdienstorden“ geschaffen. Geehrt wurden unter anderem die frühere deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und der Präsident der Ukraine, Wolodymyr Selenskyj. Wenig anfangen konnten damit die freiheitlichen EU-Abgeordneten, die während der Zeremonie im Europäischen Parlament im März den Saal verließen.
