Jeffrey Epstein, der verurteilte US‑Sexualstraftäter und Milliardär, besaß einen österreichischen Reisepass – allerdings unter einem falschen Namen und mit manipulierten Daten. Aufklärung sucht man jedoch vergeblich, denn ermittelt wird deswegen nicht.
Pass unter falschem Namen ausgestellt
In den von den USA veröffentlichten Epstein‑Files tauchte ein Foto eines grünen, alten österreichischen Passes auf, der 2019 in einem Safe in Epsteins New Yorker Stadthaus gefunden worden war. Auf dem Dokument ist zwar nicht Epstein selbst als Inhaber angegeben, sondern ein gewisser „Marius Robert Fortelni“ mit Wohnsitz in Saudi‑Arabien, doch das Foto zeigt eindeutig Epstein. Der Pass wurde 1982 in Wien ausgestellt und ist 1987 abgelaufen, war also schon über 30 Jahre ungültig, als er im Zuge der Epstein-Ermittlungen aufgetaucht ist.
Weiter keine Klarheit zu Epstein-Pass
In den USA war der österreichische Pass bereits 2019 ein wichtiger Hinweis: Die US‑Justiz zog ihn als Beleg für ein hohes Fluchtrisiko heran, als Epstein nach seiner Festnahme in New York ohne Kaution bleiben sollte. Deutlich weniger offen ist bisher dagegen die Rolle Österreichs. Laut parlamentarischen Anfragen der ehemaligen grünen Justizministerin und jetzigen Justizsprecherin der Partei, Alma Zadić, und den Antworten laufen in Österreich derzeit keine aktiven Straf‑ oder verwaltungsrechtlichen Ermittlungen, weil Epstein selbst verstorben ist. Das SPÖ-geführte Justizministerium spricht von einem eingestellten Verfahren, das ÖVP-geführte Innenministerium verweist auf Datenschutz und erklärt, es gebe keine laufenden Ermittlungen. Das Außenressort von Neos-Ministerin Beate Meinl-Reisinger bemüht sich mit dem Satz, es lägen „keine Informationen“ vor, obwohl die US‑Behörden bereits 2019 um Auskünfte zu dem Pass und möglichen Reisen nach Österreich gebeten hatten.
Viele weitere Bezüge zu Österreich
Gleichzeitig werfen die Epstein‑Files noch weitere Österreich‑Bezüge auf: In den rund 5,2 Millionen veröffentlichten Dokumenten tauchen Tausende Treffer zu „Vienna“ und „Austria“, vor allem in Form von E‑Mails, Kontakten und Reisebewegungen. Darunter finden sich auch finanzielle Transaktionen, etwa eine Überweisung Epsteins von rund 2.750 Euro an eine Wiener Konsularstelle, die als „Stadt Wien Wr. Kons.“ geführt wird. Unklar ist, ob diese Zahlungen im Zusammenhang mit dem Pass, mit Visa‑Angelegenheiten oder anderen Dienstleistungen stehen. Was fehlt, ist eine klare Aufklärung darüber, ob österreichische Behörden, private Dienstleister oder Vermittler unwissentlich oder bewusst Teil eines Netzwerks wurden, das Epstein für seine Reisen und Fluchtpläne nutzte.
Zahlreiche Fragen bleiben offen
Zadić bemängelte, Österreich schweige, während andere Länder umfassend ermitteln würden. Sie forderte, endlich offenzulegen, wie Epstein an den Pass gelangte, ob es Hinweise auf Identitätsdiebstahl oder Behördenversagen gibt und ob der Pass je in Österreich oder anderen EU‑Staaten zur Einreise verwendet wurde. Bisher bleibt vor allem die zentrale Frage ungeklärt: Wer hat den Pass tatsächlich ausgestellt – eine österreichische Behörde, ein Mittelsmann oder handelt es sich um eine nachträglich gefälschte Kopie? Und falls es sich um eine echte, aber rechtswidrig ausgestellte Version handelt: Welches Amt war damals verantwortlich, und warum wurde nicht früher aufgeklärt, dass ein ausländischer Straftäter mit einem österreichischen Dokument im Hintergrund agierte.
POLITISCHE ANZEIGE der FREIHEITLICHEN PARTEI ÖSTERREICH (FPÖ). Weitere Informationen: Transparenzbekanntmachung




