„Bisch a Tiroler, bisch a Mensch. Bisch koaner, bisch koaner.“ Ganz nach diesem Tiroler Aphorismus geht jetzt offenbar ÖVP-Landeshauptmann Anton Mattle vor: Mit einem eigenen Parteistatut und einer „Tirol-Mitgliedschaft“. Ein Jahr vor der Landtagswahl spaltet sich Mattle so von der Bundes-ÖVP ab.
ÖVP-Chef Stocker ausgeladen
Beschlossen wurde die Abkehr von der Bundespartei gestern, Samstag, auf einem eigenen Parteitag. Da durfte kein Spitzenpolitiker aus Wien dabei sein, schon gar nicht ÖVP-Chef und Bundeskanzler Christian Stocker. Dafür war Bayerns CSU-Ministerpräsident Markus Söder dann bei einer Abendveranstaltung Ehrengast.
Distanz zur Bundes-ÖVP
Was Mattle und seine Tiroler ÖVP da auf den Weg brachte, ist nichts anderes als eine neue Parteigründung. Mit der „Tirol-Mitgliedschaft“ ist es künftig möglich, ausschließlich Mitglied der Tiroler ÖVP zu werden, ohne automatisch auch der Bundes-ÖVP anzugehören. „Wir sind die Tirol-Partei“, rief Mattle den rund 300 Delegierten am Samstag zu, und er machte keinen Hehl daraus, sich von Stockers Politik distanzieren zu wollen.
„Die ganze Show nur ein Werbegag“
Politische Beobachter werten diese Maßnahme des schwarzen Tiroler-Landeshauptmanns als Panik-Reaktion auf die Umfragen. Die ÖVP liefert sich mit der FPÖ derzeit ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Der Tiroler FPÖ-Chef Markus Abwerzger sagte auf Facebook über Mattles „Tiroler Weg“:
In der Tiroler ÖVP steckt genauso viel Tirol drin, wie Wien und Brüssel zulassen!
Angesichts der anstehenden Landtagswahlen 2027 sei die ganze Show aber nur als ein großer Werbegag zu verstehen. Die ÖVP sei in einer veritablen Krise und habe Panik, zum ersten Mal in der Geschichte, in Tirol eine Wahl zu verlieren. Jetzt versuche man ein Täuschungsmanöver nach dem anderen, um irgendwie noch das Ruder herumzureißen, meinte Abwerzger.
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