Auf der Kanareninseln sind mehr als 8.000 Afrikaner hauptsächlich aus Marokko, Mauretanien, Senegal und Gambia binnen fünf Wochen eingedrungen.
Drei Boote mit 314 Menschen
Für den gesamten Archipel bezifferte die kanarische Regierung die Ankünfte vom 1. bis 6. November auf 4.587 Menschen in 49 Booten.
Inselratspräsident Alpidio Armas von der sozialistischen PSOE erklärte den Notstand – und schiebt das Problem nach Teneriffa und Gran Canaria weiter. Im Gespräch mit dem öffentlich-rechtlichen Sender RTVE erklärte er: „Es kommen mehr Menschen an, als wir weiterleiten können.“ Mit der Notstandserklärung fordert der Inselrat mehr Personal, Ablösungen für die Einsatzkräfte und zusätzliche Erstaufnahmekapazitäten.
Kanarische Regierung erhöht den Druck auf Madrid
Die für Sicherheit zuständige Regierungsvertreterin Nieves Lady Barreto verlangt von Spaniens Innenminister Fernando Grande-Marlaska eine unverzügliche Verstärkung von Nationalpolizei und Guardia Civil auf El Hierro.
Zugleich erhebt sie Vorwürfe gegen die Zentralregierung: Bereits am 10. September und erneut am 20. Oktober habe sie eine gemeinsame Sicherheitssitzung verlangt. Dennoch stehe weiterhin kein Termin fest. Die Regionalregierung fordert eine verbindliche Abstimmung darüber, welche Behörde welche Maßnahmen übernimmt.
Hilferuf an EU-Kommissar Brunner
Regionalpräsident Fernando Clavijo hat sich unterdessen schriftlich an EU-Innenkommissar Magnus Brunner gewandt. Er verlangt eine sofortige Bewertung des zusätzlichen Hilfsbedarfs, europäische Finanzmittel und operative Unterstützung.
Clavijo fordert außerdem eine engere Zusammenarbeit mit Marokko, Mauretanien, Senegal und Gambia. Die Verantwortung für eine europäische Außengrenze dürfe nicht überwiegend bei den Gebieten liegen, in denen die Menschen zuerst ankommen. Die europäische Solidarität müsse sich deshalb auch in einer wirksamen Entlastung der Kanaren zeigen.
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