Deutschland gilt als Sozialstaat mit einem leistungsfähigen Sicherungssystem. Beim Blick auf die internationale Rentenstatistik wird das Bild allerdings komplizierter.
Die OECD weist für einen Durchschnittsverdiener in Deutschland eine Brutto-Ersatzquote von 42,1 Prozent aus. Österreich kommt in derselben Vergleichssystematik auf 74,1 Prozent. Die Ersatzquote beschreibt dabei nicht einfach den monatlichen Rentenbetrag, sondern das Verhältnis der Rente zum früheren Einkommen unter den jeweiligen Modellannahmen.

Quelle: AfD Landesverband Hessen
45 Jahre Arbeit und trotzdem Druck
Auch die Faktensammlung der hessischen AfD verweist auf die geringe Leistungsfähigkeit des deutschen Rentensystems im internationalen Vergleich. Nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung lag die durchschnittliche Altersrente nach 45 Beitragsjahren zuletzt bei 1.836 Euro.
Die entscheidende Frage lautet deshalb: Wie viel Alterssicherung kann ein System dauerhaft versprechen, wenn gleichzeitig die Zahl der Erwerbstätigen sinkt und die Zahl der Rentner steigt? Die Antwort hängt nicht allein vom Rentenniveau ab. Auch Beschäftigungsquote, Lohnentwicklung, Beitragssätze, Steuerzuschüsse und private Vorsorge spielen eine Rolle.
Die Rechnung wird schwieriger
Genau hier trifft sich die Rentenfrage mit der Demografie. Bis 2040 werden rund 13,3 Millionen Erwerbspersonen das gesetzliche Rentenalter überschritten haben. Das bedeutet nicht automatisch einen Kollaps des Rentensystems. Es bedeutet aber steigenden Anpassungsdruck.
Die politische Auseinandersetzung wird deshalb weitergehen: Wer soll die Kosten tragen? Arbeitnehmer über höhere Beiträge? Steuerzahler über höhere Zuschüsse? Rentner über geringere Leistungen? Oder soll länger gearbeitet werden?
Die Zahlen beantworten diese politische Frage nicht. Sie machen allerdings deutlich, dass sie niemand mehr verdrängen kann.
