Jahrelang kassierte der „Bund Europäischer Jugend“ (BEJ) verlässlich Steuergeld für ein vereintes Europa – bis im Sommer die schmerzhafte Pleite folgte. Wie das Familienministerium nun auf Anfrage der Kronen Zeitung preisgab, lag der Insolvenz eine Überprüfung zugrunde: Statt der gebetsmühlenartig gemeldeten 81.000 Mitglieder konnte der Verein bei behördlichen Stichproben gerade einmal 1.738 nachweisbare Namen vorlegen.
Ein Papier-Geflecht für fette Förderungen
Die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit ist gewaltig, denn für den Erhalt der Bundesjugendförderung braucht es mindestens 3.000 glaubhaft gemachte Mitglieder – je höher die Zahl, desto praller füllt sich der Fördertopf. Dass der BEJ fast punktgenau 81.000 Anhänger meldete, lag offenbar an einem undurchsichtigen Dachverband-Konstrukt. So wurden eigenständige Untervereine und die eng verflochtene „Erwachsenenorganisation“, die Europäische Föderalistische Bewegung (EFB) unter Führung von ÖVP-EU-Mandatar Lukas Mandl, auf dem Papier einfach dazugerechnet. Nach der eiskalten Dusche bei der Kontrolle am 29. Mai und 15. Juni 2026 brach das Kartenhaus zusammen.
Republik fordert Millionen zurück
Nun schaltet sich die Finanzprokuratur als Anwalt der Steuerzahler ein und empfiehlt ein kompromissloses Vorgehen. Das Kanzleramt hat für die Jahre 2021 bis 2025 bereits Forderungen von mehr 1,6 Millionen Euro im Insolvenzverfahren angemeldet, doch der Blick geht noch weiter zurück: In Summe stehen inklusive der Förderungen seit dem Jahr 2001 mehr als sechs Millionen Euro im Raum, die vom Verein und dessen Führung zurückgefordert werden sollen.
Politisches Nachspiel
Ob der Steuerzahler von diesem Geld je etwas wiedersieht, bleibt mehr als fraglich, da die Gläubiger laut Insolvenzverwalter leer auszugehen drohen. Während FPÖ-Generalsekretär Michael Schnedlitz angesichts des Kontrollversagens von einem „Skandal mit Ansage“ spricht, zieht das Ressort von Jugend- und Europaministerin Claudia Bauer (ÖVP) nun späte Konsequenzen. Das System der Bundesjugendförderung soll umgebaut werden: Künftig reicht keine theoretische Zurechnung mehr, der Begriff „Mitglied“ wird streng definiert und muss bereits beim Antrag lückenlos nachgewiesen werden. Ob dies künftige Steuergeldverschwendungen abwenden kann, muss sich erst noch zeigen – für die sechs Millionen Euro Steuergeld könnte es jedenfalls zu spät sein.
