Ausgerechnet ein OP-Termin für den Vater von SPÖ-Chef und Vizekanzler Andreas Babler sorgt für politischen Wirbel. Im Raum steht der Verdacht, dass der Niederösterreicher im Orthopädischen Spital Speising in Wien ungewöhnlich rasch operiert worden sein soll.
Brisant ist der Fall vor allem deshalb, weil Babler selbst seit Jahren – wenn auch wenig glaubwürdig – gegen die Zweiklassenmedizin ins Feld zieht. Im Nationalratswahlkampf 2024 warb die SPÖ mit „E-Card statt Kreditkarte“ für einen gleichberechtigten Zugang zum Gesundheitssystem.
FPÖ verlangt Antworten
Die Freiheitlichen wollen nun genau wissen, was hinter dem Fall steckt. FPÖ-Sozialsprecherin Dagmar Belakowitsch brachte eine parlamentarische Anfrage an SPÖ-Gesundheitsministerin Korinna Schumann ein. Ausgangspunkt sind Aussagen von Mitarbeitern des Spitals. Demnach soll Bablers Vater, der als Gastpatient aus Niederösterreich behandelt wurde, Mitte August operiert worden sein. Die Anmeldung soll erst wenige Wochen vor dem Eingriff erfolgt sein. Für einen vergleichbaren nicht akuten Eingriff wird üblicherweise mit einer Wartezeit von sechs bis zwölf Monaten gerechnet.
Zehn Fragen an die Gesundheitsministerin
Die FPÖ will deshalb unter anderem wissen, wie lange die tatsächliche Wartezeit war, wann der erste Kontakt mit dem Spital erfolgte und ob es politische Interventionen gegeben hat. Auch mögliche Verschiebungen oder Absagen von Operationsterminen anderer Patienten werden abgefragt. Schließlich soll Schumann erklären, ob die Vorwürfe überprüft werden.
Babler weist Vorwurf scharf zurück
Die SPÖ reagierte mit einem deutlichen Dementi. „Wir weisen diesen Vorwurf mit aller Entschiedenheit zurück“, heißt es in der Stellungnahme. Die Thematisierung des Gesundheitszustands von Familienangehörigen politischer Mitbewerber sei eine „demokratiepolitische Entgleisung und eine beispiellose politische Unkultur“.
Babler zufolge sei sein Vater als regulärer E-Card-Patient und ohne Sonderbehandlung operiert worden. Auf die konkrete Frage einer medizinisch nicht gerechtfertigten Vorreihung verwies die SPÖ allerdings auf den behandelnden Arzt beziehungsweise das Spital. Aus dem Krankenhaus wurde erklärt, dass Vorreihungen von der Ärztlichen Direktion genehmigt werden müssten und Operateure selbst keinen Einfluss auf die Planung hätten.
Gastpatienten als Zankapfel
Zusätzliche Brisanz bekommt die Causa durch die Vorgeschichte des Spitals. Das Orthopädische Spital Speising steht laut Kleiner Zeitung in einem Rechtsstreit mit einem Gastpatienten aus Niederösterreich. Dieser hatte geklagt, nachdem er wegen seines Wohnsitzes außerhalb Wiens länger auf einen Eingriff warten sollte als ein Wiener Patient.
„E-Card statt Kreditkarte“ bekommt neue Dimension
Für den erfolglosen SPÖ-Chef ist die Angelegenheit besonders unangenehm. Noch im Wahlkampf versprach die SPÖ einen besseren Zugang zu medizinischen Leistungen mit dem Slogan „E-Card statt Kreditkarte“. Babler argumentierte wiederholt, niemand solle wochen- oder monatelang auf eine notwendige Behandlung warten müssen.
Die FPÖ will nicht lockerlassen und die Abläufe nun im Parlament offenlegen lassen. Entscheidend wird sein, ob sich die ungewöhnlich kurze Wartezeit medizinisch erklären lässt – oder ob am Ende tatsächlich Fragen zur Gleichbehandlung der Patienten offenbleiben.
