Wertschöpfende Unternehmen verlagern zunehmend ihre Produktion in den Süden der Vereinigten Staaten.

USA

24. August 2026 / 12:34 Uhr

Go woke, go broke: Republikanische Staaten gewinnen Einwohner, Wirtschaftskraft und Macht

Die politische Landkarte der Vereinigten Staaten gerät in Bewegung. Infolge der Binnenwanderung und der Maßnahmen gegen die illegale Einwanderung verschieben sich die Machtverhältnisse.

Go woke, go broke

Millionen Amerikaner verlassen die teuren Küstenregionen und großen Metropolen und ziehen innerhalb der aufstrebenden Südstaaten in günstigere Landkreise.

Dabei fällt auf: Zu den Gewinnern gehören vor allem Staaten mit republikanischer, also rechter Regierung, niedriger Steuerbelastung, vergleichsweise lockeren Vorschriften und einem großen Angebot an neuem Wohnraum.

Rückgang der Einwanderung aus dem Ausland

Die aktuellen Bevölkerungsschätzungen des amerikanischen Zensusbüros zeigen das Ausmaß der Verschiebung. Zwischen Juli 2024 und Juli 2025 wuchs die Bevölkerung der USA um rund 1,8 Millionen Menschen auf knapp 342 Millionen. Mit nur 0,5 Prozent fiel das Wachstum nur noch etwa halb so hoch aus wie im Jahr zuvor.

Hauptgrund war der starke Rückgang der Einwanderung aus dem Ausland: Der Wanderungsüberschuss sank von rund 2,7 auf 1,3 Millionen Menschen. Das entspricht einem Einbruch um fast 54 Prozent. Besonders stark sank dank der Maßnahmen der Regierung von Präsident Donald Trump die Einwanderung aus Lateinamerika und der Karibik: also weniger Armutsmigranten, die versorgt werden wollen.

Vier der fünf wachstumsstärksten Staaten republikanisch geführt

An der Spitze des Bevölkerungswachstums steht South Carolina. Der Bundesstaat gewann innerhalb eines Jahres knapp 80.000 Einwohner und wuchs damit um 1,5 Prozent. Es folgten Idaho, North Carolina, Texas und Utah.

Lediglich North Carolina hat mit Josh Stein einen demokratischen Gouverneur, allerdings eine republikanisch dominierte Legislative. Auch Georgia, Tennessee und andere stark wachsende Südstaaten sind republikanisch regiert.

Wirtschaftlich bergauf

Auch wirtschaftlich schneiden mehrere dieser Staaten überdurchschnittlich ab.

Florida und South Carolina verzeichneten 2025 ein Wirtschaftswachstum von mehr als drei Prozent, während die gesamte US-Wirtschaft um rund 2,1 Prozent zulegte. Texas, Georgia und Utah profitieren von neuen Fabriken, Technologieunternehmen, Logistikzentren und Rüstungsbetrieben.

Niedrige Steuern, rasche Genehmigungen und billigeres Bauland

Die republikanischen Regierungen werben offen mit niedrigen Steuern, weniger Regulierung und kurzen Genehmigungsverfahren. Hinzu kommen größere verfügbare Flächen und niedrigere Baukosten. Gerade Unternehmen des produzierenden Gewerbes finden im Süden Bedingungen, die ihnen Kalifornien oder der Nordosten häufig nicht mehr bieten können.

Wichtig ist auch, dass linke Kräfte deutlich weniger Einfluss auf das gesellschaftliche Leben haben. So sind die Gewerkschaften dort schwach ausgeprägt – und dennoch zieht es vor allem Arbeitnehmer in diese Staaten.

Rechts bedeutet weniger Steuern

Texas erhebt ebenso wie Florida keine Einkommensteuer auf Ebene des Bundesstaates. South Carolina lockt Unternehmen mit Förderungen, Industrieflächen und neuen Verkehrsverbindungen. Georgia hat sich zu einem bedeutenden Standort für Logistik, Luftfahrt, Fahrzeugbau und Batteriefabriken entwickelt.

Dass gleichzeitig viele neue Wohnungen und Einfamilienhäuser errichtet werden können, spielt eine mindestens ebenso große Rolle wie die Steuerpolitik. Wo das Angebot an Wohnraum mit der Bevölkerungsentwicklung Schritt hält, bleiben Preise und Mieten eher erschwinglich. Im linken Kalifornien verhindern dagegen strenge Bauvorschriften, langwierige Verfahren und örtlicher Widerstand vielerorts eine ausreichende Bautätigkeit.

Kalifornien verliert seine eigenen Einwohner

Das demokratisch regierte Kalifornien ist weiterhin das bekannteste Beispiel für die Abwanderung aus einem Hochsteuerstaat. Seit Jahren ziehen mehr Menschen aus Kalifornien in andere Bundesstaaten als umgekehrt. Besonders häufig wählen sie Texas, Arizona, Nevada und Oregon.

Nach einer Untersuchung des Public Policy Institute of California verließen zwischen 2010 und 2024 fast zehn Millionen Menschen den Bundesstaat in Richtung anderer Teile der USA. Im selben Zeitraum kamen nur etwas mehr als sieben Millionen Amerikaner aus anderen Bundesstaaten nach Kalifornien.

Mittelstand schrumpft in linken Staaten

Hohe Einkommen können die Belastung durch Mieten, Immobilienpreise, Energie und Steuern teilweise ausgleichen. Für Familien mit mittleren Einkommen, Handwerker, Pensionisten und junge Berufstätige wird das Leben dagegen zunehmend unerschwinglich.

Der durchschnittliche Wert eines selbst genutzten Eigenheims liegt in Kalifornien laut Census-Daten bei rund 735.000 Dollar. Etwa ein Drittel der von PPIC befragten Kalifornier gab an, wegen der Wohnkosten über einen Wegzug nachzudenken.

Zwischen Juli 2024 und Juli 2025 verlor Kalifornien durch Binnenmigration netto rund 216.000 Einwohner. Dass die Gesamtbevölkerung dennoch geringfügig um etwa 19.000 Menschen wuchs, lag an Geburtenüberschüssen und Armutseinanderung.

Einwanderung: Herkunft nicht mehr aus Europa

Demokratisch regierte Staaten wie Kalifornien und New York verlieren amerikanische Binnenwanderer, vor allem Arbeitnehmer. Deren Lücke schließen Einwanderer aus dem Ausland.

Nach Angaben des Public Policy Institute of California stammen etwa 49 Prozent der kalifornischen Einwanderer aus Lateinamerika und 41 Prozent aus Asien (Philippinen, China, Indien, Vietnam). Europäische Einwanderer spielen demgegenüber zahlenmäßig nur eine untergeordnete Rolle.

Amerikas Gesicht wird dunkler

Generell kommen die Einwanderer heute überwiegend nicht aus Europa. Von den in den USA lebenden, im Ausland geborenen Menschen stammten 2023 rund 52 Prozent aus Lateinamerika und etwa 27 Prozent aus Asien. Europa stellt nur noch einen vergleichsweise kleinen Anteil.

Mexiko bleibt mit mehr als elf Millionen Menschen und einem Anteil von rund 22 Prozent an allen Einwanderern das größte Herkunftsland. Dahinter folgen Indien und China mit jeweils ungefähr sechs Prozent, die Philippinen mit vier Prozent sowie Kuba mit etwa drei Prozent.

Trumps Grenzpolitik bremst die Armutseinwanderung

Der Rückgang der Einwanderung begann zwar bereits in den letzten Monaten der Regierung Joe Biden, nachdem ein Wahlsieg der Rechten immer wahrscheinlicher wurde. Mit Donald Trumps Rückkehr ins Weiße Haus machten verschärfte Grenzkontrollen, weniger humanitäre Aufnahmeprogramme, Abschiebungen und der Wegfall vorübergehender Schutzregelungen die Einwanderung deutlich unattraktiver für die Versorgungssuchenden.

Wanderung verschiebt langfristig auch die politische Macht

Bevölkerungswachstum entscheidet in den USA nicht nur über Arbeitskräfte und Steuereinnahmen. Nach jeder Volkszählung werden die Sitze im Repräsentantenhaus und die Stimmen im Wahlmännerkollegium neu verteilt.

Wachsende Staaten erhalten langfristig mehr politisches Gewicht, schrumpfende Staaten verlieren es. Eine schlechte Nachricht für linke Politiker.

Kalifornien verliert an Macht

Kalifornien verlor nach der Volkszählung 2020 erstmals in seiner Geschichte einen Sitz im Repräsentantenhaus. Texas gewann zwei Mandate, Florida und North Carolina jeweils eines.

Setzen sich die heutigen Wanderungsbewegungen fort, dürften der Süden und republikanisch geprägte Staaten nach der Volkszählung 2030 weiter an Einfluss gewinnen.

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