Die Automobilindustrie war einst Flaggschiff der deutschen Wirtschaft. Doch das Schiff hat von der Politik Schlagseite erhalten.
Historischer Tiefstand
Diese wirkt sich fatal aus – vor allem für Arbeitnehmer. Denn Ende des ersten Halbjahres 2026 zählte die Branche nur noch 691.500 Beschäftigte, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Das waren 5,8 Prozent beziehungsweise 42.300 Personen weniger als ein Jahr zuvor.
Damit fiel der Rückgang stärker aus als in jeder anderen großen Industriebranche mit mehr als 200.000 Beschäftigten. Zugleich markiert der Wert einen neuen Tiefstand: Seit 2005 arbeiteten nicht mehr so wenige Menschen in der deutschen Automobilindustrie.
Vom Niedergang besonders betroffen
Nur der Maschinenbau beschäftigte mit 905.900 Menschen zuletzt noch mehr Arbeitnehmer. Im gesamten verarbeitenden Gewerbe sank die Beschäftigung im Jahresvergleich um 2,7 Prozent auf 5,29 Millionen Personen.
Der Arbeitsplatzabbau in der Autoindustrie fiel damit mehr als doppelt so stark aus wie im industriellen Durchschnitt.
Zulieferer bauen besonders viele Stellen ab
Innerhalb der Autoindustrie trifft es die Zulieferer von Teilen und Zubehör am stärksten. Ihre Beschäftigtenzahl sank im Jahresvergleich um 7,6 Prozent auf 219.500. Bei den Herstellern von Kraftwagen und Kraftwagenmotoren ging sie um 6,1 Prozent auf 429.200 zurück.
Anders entwickelte sich lediglich die kleinere Sparte der Karosserie-, Aufbau- und Anhängerhersteller. Dort stieg die Zahl der Beschäftigten um zehn Prozent auf 42.800.
Elektrofahrzeuge verändern den Markt
Die Entwicklung verweist auf die Belastung traditioneller Zulieferstrukturen. Der Umstieg auf Elektrofahrzeuge verändert die Nachfrage nach Bauteilen: Elektromotoren benötigen unter anderem weniger komplexe mechanische Komponenten als Verbrennungsmotoren.
Gleichzeitig erhöhen hoher Investitionsbedarf, Kostendruck, schwache Absatzmärkte und internationale Konkurrenz den Anpassungsdruck auf Hersteller und Zulieferer.
Studie warnt vor Verlust von bis zu 726.000 Jobs
Die Entwicklung in Deutschland ist Teil eines größeren europäischen Problems. Laut einer Studie des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation könnten in der europäischen Autoindustrie bis 2040 bis zu 726.000 Arbeitsplätze verloren gehen, in den nächsten fünf Jahren wird ein Rückgang von 375.000 Arbeitsplätzen erwartet. Bis 2035 könnte die Zahl auf 660.000 steigen.
Bezogen auf die untersuchten Bereiche der europäischen Wertschöpfungskette wäre damit ein erheblicher Teil der Beschäftigung betroffen: Im vergangenen Jahr arbeiteten dort rund 1,6 Millionen Menschen. Die Wertschöpfung beziffert die Untersuchung auf rund 250 Milliarden Euro.
Strukturwandel trifft auf schwache Industriekonjunktur
Der Beschäftigungsabbau ist nicht allein ein Problem der Automobilindustrie. Auch andere große Industriezweige leiden unter den politischen Entscheidungen, die zu hohen Energiekosten, hoher Abgabenbelastung und Beschränkungen im Absatzmarkt.
In der Herstellung von Metallerzeugnissen lag das Minus bei 3,8 Prozent, in der Metallerzeugung und -bearbeitung bei 3,7 Prozent. Die chemische Industrie verlor 3,6 Prozent ihrer Beschäftigten, die Hersteller elektrischer Ausrüstungen 3,4 Prozent.
