Gibt es jetzt „betreutes Trinken“ im Burgenland? Den Anschein erweckt zumindest der Fall einer Gaststätte, die nun „verstaatlicht“ wird.
Die Landesholding Burgenland hat das Traditionswirtshaus „Der Stadtwirt“ in Oberwart übernommen; der Kaufvertrag ist Ende März 2026 datiert und der Kaufpreis beträgt netto 576.000 Euro zuzüglich Umsatzsteuer. Der Betrieb bleibt vorerst vor Ort: Eigentümer Raimund Schmidinger pachtet das Lokal von der Landesgesellschaft zurück; der Pachtvertrag läuft bis 2031, die Pachthöhe wird von Schmidinger als „normal“ bezeichnet.
Land fühlt sich jetzt sogar für gastronomische Versorgung zuständig
Die Landesholding begründet den Erwerb als Pilotprojekt zur Sicherung der regionalen gastronomischen Versorgung außerhalb touristischer Hotspots und verweist auf ein unabhängiges Schätzgutachten sowie eine angemessene Mietrendite als Basis der Entscheidung. Hintergrund sei, dass es keine Erben gebe, die den Betrieb weiterführen würden, weshalb man nach einem Käufer gesucht habe – mit dem Landeskauf werde zugleich die Fortführung der bewährten Wirtshauskultur in Oberwart sichergestellt.
Burgenland kauft fleißig auf
Die SPÖ im Burgenland hat in der Vergangenheit den Einfluss des Landes massiv ausgeweitet: Immobilien und Betriebe wurden übernommen (u. a. ehemalige Zuckerfabrik, Hochzeitsplattform), Pflegeaufgaben durch regionale Pflege‑Strukturen stärker landesseitig organisiert, Landesinvestitionen in Windkraft und Photovoltaik vorangetrieben, zahlreiche Landesbeteiligungen und Landesfirmen gegründet, und im Sozial‑ sowie Bildungsbereich wurde das Leistungsangebot deutlich ausgebaut. Nicht umsonst spricht man nicht selten von einem „Konzern Burgenland“.
Freie Marktwirtschaft statt Staatskonzern
Kritik kommt aus der Opposition: Das Land brauche faire Regeln für alle Betriebe statt einem “roten Staatskonzern, der sich immer neue Geschäftsfelder einverleibt” – so formulierte es Markus Wiesler, Klubobmann-Stellvertreter der FPÖ im burgenländischen Landtag.
Gegenüber unzensuriert wollte sich die bürgenländische Landesregierung bisher nicht zu den Vorgängen äußern.
