Die EU-Kommission will private Haushalte dazu bringen, ihren Stromverbrauch während der Spitzenlastzeiten zu reduzieren. Besonders ironisch dabei: Ausgerechnet die für das Problem maßgeblich mitverantwortliche Künstliche Intelligenz (KI) soll dafür eingesetzt werden.
KI soll durch KI verursachten Strombedarf eindämmen
Die Energiewende stellt die Stromnetze und die Versorgungssicherheit bereits seit Jahren vor enorme Herausforderungen, die durch den rasanten Aufstieg von KI-Anwendungen zusätzlich verschärft werden. Bereits heuer soll ein neues Regelwerk den flächendeckenden Einsatz intelligenter Stromzähler mit KI-Unterstützung deutlich beschleunigen.
Rechenzentren, E-Autos und Wärmepumpen überlasten die Netze
Aktuell entfallen rund 2,5 Prozent des gesamten Stromverbrauchs in der EU auf Rechenzentren. Fachleute erwarten, dass sich dieser Anteil innerhalb der kommenden vier Jahre auf mehr als das Doppelte erhöhen wird. In Irland beanspruchen Rechenzentren bereits mehr als ein Fünftel des landesweiten Stromverbrauchs. In einzelnen Regionen erreichen sie sogar Anteile von bis zu 80 Prozent an der lokalen Netzlast. Vergleichbare Entwicklungen sind inzwischen auch in den Niederlanden, Deutschland und Frankreich zu beobachten.
Zusätzlich belasten Millionen neu zugelassener und von der grünen Politik massiv geförderter Elektrofahrzeuge und Wärmepumpen die Infrastruktur, die für solche Verbrauchszuwächse ursprünglich nicht ausgelegt wurde.
Ausbau nicht mehr zu stoppen
Als Antwort auf diese Entwicklung setzt die Kommission auf das Konzept der sogenannten Lastverschiebung auf Verbraucherseite. Am 3. Juni präsentierte sie ihre „Strategic Roadmap for Digitalisation and AI in the Energy Sector“. Ein zentraler Bestandteil dieser Strategie ist ein Gesetzesvorhaben, das die Einführung KI-basierter Smart Meter erheblich beschleunigen soll. In Österreich ist die Verbreitung dieser Geräte bereits weit fortgeschritten, wobei ein Verzicht nur über ein aufwendiges Opt-out-Verfahren möglich ist. In Deutschland besteht seit 2025 für bestimmte Verbrauchergruppen eine gesetzliche Pflicht zum Einbau solcher Systeme. Auch mehrere Länder in Südosteuropa sowie Teile des Baltikums hinken beim Smart-Meter-Ausbau hinterher.
Die vermeintlich intelligenten Stromzähler sollen den Energieverbrauch laufend erfassen und den Haushalten per App oder automatisierter Steuerung anzeigen, zu welchen Zeiten Strom bevorzugt genutzt werden sollte. Besonders empfohlen werden Zeitfenster mit hoher Verfügbarkeit von Wind- und Solarstrom, etwa während der Mittagsstunden oder in der Nacht.
EU-Kommission: Keine Stromabschaltungen geplant
In Brüssel gibt man sich wie gewohnt unschuldig: Nach Angaben der Kommission sollen Smart Meter den Verbrauchern zusätzliche Möglichkeiten bieten, ihren Stromverbrauch gezielt zu steuern. Dadurch könnten sie energieintensive Tätigkeiten in Zeiten niedrigerer Strompreise verlagern und ihre Energiekosten senken. Die Behörde betont ausdrücklich, dass weder Stromabschaltungen vorgesehen seien noch drastische Preisaufschläge zu bestimmten Tageszeiten geplant würden. Stattdessen stellt sie Einsparpotenziale von mehr als 71 Milliarden Euro jährlich für europäische Haushalte durch sogenannte Demand-Side-Flexibility-Maßnahmen in Aussicht.


