Wer in Österreich eine Wohnung sucht, muss weiterhin tief in die Tasche greifen.
Angebot schrumpft, Bedarf steigt weiter
Die neuesten Zahlen der Statistik Austria zeichnen ein deutliches Bild: Im Jahr 2024 wurden mit 54.472 neuen Wohnungen um ein Fünftel weniger Einheiten gebaut als noch im Vorjahr. Solange Angebot und Nachfrage den Preis bestimmen, ist am Wohnungsmarkt mit sinkenden Kosten nicht zu rechnen.
Starker Rückgang im Wohnbau
Wie aus aktuellen Zahlen hervorgeht, sank die Zahl der in neuen Gebäuden errichteten Wohnungen um 20,2 Prozent auf 41.762. Zudem gab es 12.710 neue Wohnungen durch An-, Auf- und Umbauten.
Besonders betroffen sind Ballungsräume wie Wien, Salzburg und Innsbruck, wo auch infolge der massenhaften Einwanderung die Nachfrage das Angebot seit Langem übersteigt. In der Bundeshauptstadt fehlen 30.000 Wohnungen, in Salzburg-Stadt 26 pro 1.000 Einwohner.
Eisenstadt und Graz mit Überangebot
Dem gegenüber stehen Regionen wie Eisenstadt oder Graz, in denen der Wohnungsbestand das tatsächliche Bedürfnis übersteigt – eine Folge von Abwanderung und Leerstand.
Baubewilligungen gehen zurück
Die Zahl der Baubewilligungen ist seit 2021 massiv gesunken. 2024 gab es erneut einen Rückgang um 10,7 Prozent. Folglich ist auch in den kommenden Jahren mit weiteren Einbrüchen bei der Anzahl fertiggestellter Wohnungen zu rechnen.
Während einerseits zu wenig gebaut wird, steigen zugleich die Baukosten: Im Oktober 2025 lagen die Kosten für den Wohnhausbau laut Statistik Austria um 1,8 Prozent höher als im Vorjahr.
Grundproblem: Angebot vs. Nachfrage
Dieses geringe Angebot bei hoher Nachfrage treibt die Preise unaufhaltsam nach oben. Da sich der Bauniveau-Verfall zeitverzögert weiter fortsetzt und ein Aufstocken des Angebots kurzfristig kaum realistisch ist, rechnet in der Branche niemand mit sinkenden Mieten oder Kaufpreisen. Im Gegenteil: Der Mangel in den Boom-Regionen dürfte sich sogar noch verschärfen.
Kanzlerpartei mit leeren Versprechungen
Die ÖVP setzt vor allem auf Anreize für private Investoren und Entbürokratisierung. Letztere blieb bisher eine leere Versprechung.
Auch die steuerlichen Erleichterungen für Wohnungsbau und Sanierung, eine Verbilligung von Bauland durch flexiblere Widmungen sowie schnellere Behördenverfahren waren bloß Wahlkampfthemen. 2024 hatte die ÖVP das Konzept einer „Wohnbau-Milliarde“ vorgestellt, die es den Ländern ermöglichen sollte, gezielt neue Projekte oder die Sanierung von Altbestand zu fördern. Bis Juni hatte der Bund davon erst 128,7 Millionen ausbezahlt.
Regierung redet und gängelt die Menschen
Staatssekretärin Michaela Schmidt (SPÖ), die gestern, Donnerstag, Andreas Babler im Nationalrat vertrat, erklärte, dass die Bundesregierung gerade an Konzepten zur günstigen Finanzierung von Investitionen in den Wohnbau arbeite. Über die Wiedereinführung der Zweckbindung der Wohnbauförderung werde im Rahmen des Finanzausgleichs mit den Ländern verhandelt.
In linker Manier freute sie sich, dass es erstmals Preiseingriffe in ungeregelte private Mieten gebe. Wertanpassungen dürften nur noch einmal im Jahr vorgenommen werden, und auch die Mietpreisbremse für den geregelten Bereich sei erweitert worden. Zudem wurde die – bereits in der Vergangenheit gescheiterte – Mindestbefristung von drei auf fünf Jahre verlängert.Â
Rote „Erfolgsgeschichten“
Das ist auch die Stoßrichtung der SPÖ. Sie will sich weiterhin am Geld der anderen bedienen und mehr Geld in den geförderten Wohnbau pumpen. Mit der umstrittenen Mietpreisregulierung, die in vielen Ländern das Gegenteil vom Versprochenen erzeugt hatte, bleibt sie in der Vergangenheit stecken. Mit der Leerstandsabgabe will sie weiterhin ins Privateigentum eingreifen.
Schmidt lobte den sozialen Wohnbau in Wien als internationales Vorbild für leistbares Wohnen. Die Stadt Wien ist finanziell pleite: Der Budgetvoranschlag der Stadt wurde am vergangenen Freitag veröffentlicht. Der Gesamtschuldenstand beträgt aktuell fast 15 Milliarden Euro, im kommenden Jahr wird er um weitere 2,63 Milliarden Euro anwachsen.
„Wohnbau-Notprogramm“
Die Freiheitlichen unterbreiteten heuer einen neuen Vorschlag: Sie plädieren für ein „Wohnbau-Notprogramm“, das die Nutzung von Bundesliegenschaften für leistbaren Wohnbau vorsieht und auf eine stärkere Beschränkung des Verkaufs von Immobilien an ausländische Investoren setzt.
Zudem fordert die FPÖ Ausnahmen von restriktiven Bauvorschriften, um den Bau von Einfamilienhäusern und Wohnungen zu erleichtern. Ein genereller Stopp für die Umwidmung von Grünland zu Bauland sowie eine „Österreicher-vor-Ausländern“-Regelung beim Zugang zu gefördertem Wohnbau gehören ebenso zum freiheitlichen Wahlprogramm.


