Während SPÖ-Chef Andreas Babler selbst und die roten Landeschefs die Situation in der Partei schönreden zu versuchen, gibt es eine schonungslose Analyse von ServusTV-Moderator Michael Fleischhacker.
Unter dem Titel „Bye, Bye Babler und Ciao SPÖ“ kommt er zum Schluss: Die SPÖ wäre durch Gerhard Zeiler ins Chaos gestoßen worden und habe beschlossen, es durch ein noch größeres Chaos zu überdecken – und: „Weil die Partei zu links ist, will sie noch linker werden!“
„Es war ein sehr, sehr guter Tag“
Pointiert (und nicht ganz ohne Sarkasmus) nimmt Fleischhacker den SPÖ-Bundesgeschäftsführer Klaus Seltenheim ins Visier. Die Kunst des Schönredens sei eine Grundfertigkeit für jeden Politiker, für Parteisekretäre sei es sogar eine Art Schlüsselqualifikation. Seltenheim habe an dem Tag, „als Babler ging und doch ein bisschen blieb“, bewiesen, dass er über diese Schlüsselqualifikation verfüge. „Es war ein sehr, sehr guter Tag“, sagte Seltenheim im ZIB-Interview.
Aufpasser für Babler
Man frage sich natürlich, wie ein normaler oder sogar ein schlechter Tag aussehen würde, wenn das ein sehr guter war – „das ginge dann vielleicht doch in Richtung Weltuntergang“. Das Ergebnis der Verhandlungen mit den Landeschefs ist bekannt: Babler bleibt bis Jahresende in allen seinen Funktionen, mit Jahresbeginn 2027 wird Finanzminister Markus Marterbauer auch Vizekanzler. Frauenchefin Eva-Maria Holzleitner und Klubobmann Philip Kucher, die dem Vorsitzenden schon jetzt als Aufpasser zur Seite gestellt wurden, werden dann mit Jahresbeginn geschäftsführende Parteiobleute.
„Das kann nicht gutgehen“
Eine neue Nummer eins in der SPÖ werde es, so Fleischhacker, frühestens im März oder April des kommenden Jahres geben. Bis dahin hätten die Chefs der anderen Koalitionsparteien nicht nur einen, wie bisher, sondern vier (!) Ansprechpartner. Man müsse kein Doktorat im Organisationswissen haben, um zu wissen, dass das nicht gutgehen kann.
So würde man es in einem Satireprojekt machen
Man könne das als Ergebnis eines „sehr, sehr guten Tages“ sehen, müsse aber nicht. Man könne auch sagen, dass sich die SPÖ an eine alte chinesische Weisheit gehalten habe, „die beste Möglichkeit, um ein Chaos zu überdecken, ist die Erzeugung eines noch größeren Chaos“. So, sagte Fleischhacker, würde man es in einem Satireprojekt machen.
Gemeinsam Richtung zehn Prozent
Wenn eine Partei, die in Umfragen bei 15 Prozent liege und beschließe, das Ruder herumzureißen, dann den derzeitigen Chef und seine engsten Vertrauten mit der Organisation dieses Prozesses betraue, dann könne man froh darüber sein, dass endlich alle in die gleiche Richtung rudern. Aber nur, wenn man dann gemeinsam schneller südwärts rudere, nämlich Richtung zehn Prozent.
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