Hausdurchsuchung, Ermittlungen, Haft und jetzt die Frage nach bereits vergebenen Aufenthaltstiteln und Staatsbürgerschaften: Die Affäre rund um die Wiener MA 35 nimmt an Schärfe zu. Die FPÖ fordert eine umfassende Überprüfung der von den betroffenen Mitarbeitern bearbeiteten Fälle.
Zwei Mitarbeiter im Visier der Ermittler
Im Zentrum des Verfahrens stehen laut Staatsanwaltschaft zwei Personen. Gegen eine Mitarbeiterin wird, wie berichtet, wegen des Verdachts der Vorteilsannahme ermittelt. Gegen einen mittlerweile ehemaligen Mitarbeiter laufen Ermittlungen wegen des Verdachts des Missbrauchs der Amtsgewalt und der Bestechlichkeit. Der Mann war zwischenzeitlich in Haft und befindet sich inzwischen wieder auf freiem Fuß.
Bei der MA-35-Zentrale in der Dresdner Straße 93 in Wien-Brigittenau wurde das Büro der Mitarbeiterin durchsucht. Die Stadt bestätigte, dass Ermittlungsbehörden im Rahmen eines Amtshilfeersuchens Zugang zu Räumlichkeiten und Dienstgeräten erhielten. Die Mitarbeiterin ist derzeit nicht im Dienst.
Vorwürfe rund um Aufenthaltstitel
Der Verdacht: Im Zusammenhang mit Verfahren sollen notwendige Unterlagen manipuliert, gefälscht oder entfernt worden sein könnten. Dabei geht es um die mögliche Beschleunigung von Verfahren beziehungsweise darum, negative Entscheidungen zu umgehen. Ob sich diese Vorwürfe bestätigen, ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen. Für die Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.
Die MA 35 ist für Einwanderung und Staatsbürgerschaft zuständig und steht seit Jahren wegen langer Verfahren und Beschwerden in der Kritik. Allein 2025 gingen 1.216 Beschwerden bei der Volksanwaltschaft ein; in 746 Fällen sei ein Missstand festgestellt worden.
FPÖ fordert Überprüfung aller Fälle
Maximilian Krauss, FPÖ-Klubobmann im Wiener Rathaus, geht nun einen Schritt weiter und verlangt, sämtliche Staatsbürgerschaften und Aufenthaltstitel zu überprüfen, die von den betroffenen Personen betreut oder entschieden wurden. „Alle Staatsbürgerschaften und Aufenthaltstitel, die von den betroffenen Personen in der MA 35 betreut oder entschieden wurden, müssen unverzüglich überprüft und rückabgewickelt werden“, fordert Krauss.
Auffällige Zahlen bei Einbürgerungen
Besonders auffällig sind zumindest die Zahlen zu Einbürgerungen von Personen mit zuvor albanischer Staatsangehörigkeit. Demnach stieg deren Zahl von 57 im Jahr 2023 auf 81 im Jahr 2024 und 105 im Jahr 2025.
Die Ermittlungen müssen daher nun zeigen, ob es tatsächlich ein größeres Netzwerk gab, ob einzelne Verfahren manipuliert wurden und ob daraus strafrechtlich relevante Konsequenzen entstanden sind. Die MA 35 erklärte gegenüber dem ORF, man arbeite mit den Ermittlungsbehörden zusammen und die Vorwürfe müssten „lückenlos aufgeklärt werden“.
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