Zwei Jahre lang sollte die AfD in der Regionalversammlung Saarbrücken nicht vorkommen. Jetzt zieht sie mit zehn Abgeordneten ein. Bei der gerichtlich erzwungenen Neuwahl am 30. August 2026 kommt die Partei auf 22,83 Prozent und wird zweitstärkste Kraft hinter der SPD.
SPD gewinnt knapp, Christdemokraten stürzen ab
Gewonnen hat die SPD mit 25,79 Prozent und zwölf Sitzen. Die CDU, 2024 noch klar vorn, stürzt auf 18,94 Prozent und neun Mandate. Die Wahlbeteiligung lag bei 40,55 Prozent. Die Grünen kommen auf 12,57 Prozent und sechs Sitze, die Linke auf 9,03 Prozent und vier Sitze. Die FDP hält zwei Mandate, BSW und Bunt.saar je eines. Die Freien Wähler traten nicht mehr an.
Wahlberechtigt waren rund 245.000 Bürger in zehn Städten und Gemeinden des Regionalverbands Saarbrücken im Saarland. Die Versammlung hat 45 Sitze und entspricht einem Kreistag. Die laufende Wahlperiode bleibt unberührt, die nächste reguläre Wahl ist für 2029 vorgesehen.
Vom Zettel gestrichen – vom Gericht zurückgeholt
Im Juni 2024 hatte der Wahlausschuss beide AfD-Wahlvorschläge zurückgewiesen. Begründung: Verstoß gegen das Verbot der Mehrfachbewerbung. Die Partei hatte wegen innerer Streitigkeiten zwei Listen eingereicht. Das Verwaltungsgericht des Saarlandes erklärte die Wahl im Mai 2025 für ungültig. Das Oberverwaltungsgericht bestätigte das Urteil im März 2026. Die Richter folgten der Linie, dass ein zulassungsreifer Vorschlag vorgelegen habe und hätte zugelassen werden müssen.
Die AfD war von 2019 bis 2024 mit vier Vertretern in der Versammlung vertreten gewesen. 2024 stand sie gar nicht auf dem Zettel. Jetzt stellt sie zehn Abgeordnete. Spitzenkandidat war Michel Dörr, Lehrer aus Quierschied und bereits von 2019 bis 2024 Fraktionsvorsitzender.
Verhindern-Rhetorik trifft auf das Ergebnis
SPD-Unterbezirkschef Ulrich Commerçon sagte am Wahlabend: „Wer AfD im Saarland verhindern will, muss SPD wählen.“ CDU-Kreisvorsitzender Uwe Conradt nannte es „ein enttäuschender Abend“. Linken-Politikerin Birgit Huonker erklärte: „Der beste Wahlkämpfer der AfD war übrigens Friedrich Merz.“
