Zehntausende illegale Grenzübertritte wurden innerhalb von nur 48 Stunden in der spanischen Exklave Ceuta registriert – es kam zu einem groß angelegten Einsatz von Militär und Polizei. Mehrere Migranten wurden dabei getötet, auch zu Plünderungen, Massendiebstähle und Auseinandersetzungen mit Sicherheitskräften kam es.
Druck durch unbewaffnete Zivilisten
Dahinter steht für viele Beobachter eine koordinierte Strategie Marokkos. Demnach sollen marokkanische Behörden die Migranten nicht aufgehalten, sondern gezielt in Richtung Ceuta geleitet haben. Die Taktik wird mit dem sogenannten „Grünen Marsch“ von 1975 verglichen, als König Hassan II. rund 350.000 unbewaffnete Zivilisten in die damalige Spanisch-Sahara entsandte, um politischen Druck auf Spanien auszuüben.
Marokko will die Exklaven
Ceuta und Melilla sind seit Jahrhunderten unter spanischer Verwaltung und bilden die einzigen Landgrenzen der Europäischen Union auf dem afrikanischen Kontinent. Marokko erhebt jedoch seit seiner Unabhängigkeit im Jahr 1956 Anspruch auf beide Enklaven. Zeitweise wurden auch Forderungen hinsichtlich der Kanarischen Inseln laut.
Spanien im Zwiespalt
Die aktuelle Entwicklung wird von Experten daher nicht nur als Migrationskrise, sondern auch als geopolitisches Druckmittel interpretiert. Spanien gerät dadurch in ein Dilemma: Ein hartes Vorgehen an der Grenze birgt humanitäre und europapolitische Risiken, während ein nachgiebiger Kurs Marokko ermutigen könnte, den Druck weiter zu erhöhen.
Zusätzliche Brisanz erhält die Lage durch die internationale Dimension. Die militärische Zusammenarbeit Marokkos mit den USA und Israel wurde in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut. Zudem sorgt ein US-Bericht, der eine diplomatische Lösung der Territorialfrage anregt und Marokkos Ansprüche thematisiert, in Spanien für Diskussionen.
Massen-Legalisierung lockt Migranten an
Auch die spanische Innenpolitik verschärft die Situation. Die angekündigte Legalisierung tausender Migranten ist ein massiver Anreiz für weitere illegale Einreisen. Gleichzeitig leidet Marokko unter wirtschaftlichen Problemen, wodurch viele Menschen das Land verlassen wollen – ein Umstand, der von Rabat als politisches Druckmittel gegenüber Spanien genutzt wird.
