Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (l.) gerät wegen der Erinnerungspolitik rund um die Massaker an polnischen Zivilisten in Konflikt mit dem Nachbarland Polen und dessen Präsidenten Karol Nawrocki.

21. Juni 2026 / 07:00 Uhr

Selenskyj wird Orden aberkannt: Wolhynien-Massaker sind nicht vergessen

Polens Präsident Karol Nawrocki hat dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj den Orden des Weißen Adlers aberkannt.

Ehrung durch Vorgängerpräsidenten

Die Auszeichnung gilt als höchste staatliche Ehrung, die Polen vergibt. Selenskyj war im Jahr 2023 vom damaligen Präsidenten Andrzej Duda für seinen Einsatz im russisch-ukrainischen Krieg und die enge Zusammenarbeit beider Länder damit ausgezeichnet worden.


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Die Aberkennung durch Nawrocki erfolgte nach einem Dekret Selenskyjs, mit dem eine Einheit der ukrainischen Streitkräfte einen Ehrennamen erhielt, der auf die Ukrainische Aufständische Armee (UPA) Bezug nimmt.

Blutige Ereignisse in Wolhynien und Ostgalizien

Diese Partisanenarmee kämpfte ab 1942 gegen Polen, die Wehrmacht und die Sowjetunion für die nationale Unabhängigkeit der Ukraine. Die Territorialstreitigkeiten zwischen Polen und Ukrainern endeten im Massaker von Wolhynien und Ostgalizien, bei dem annähernd 100.000 polnische Zivilisten ermordet wurden.

Für Polen ein schweres Verbrechen zur ethnischen Säuberung der Gebiete von ihrer polnischen Bevölkerung. Hunderte Dörfer wurden von der UPA überfallen und zerstört. Männer, Frauen und Kinder wurden getötet, vielfach mit äußerster Brutalität. Das polnische Parlament stufte die Ereignisse 2016 offiziell als Völkermord ein.

Nawrocki verweist auf die Opfer

Nawrocki, der dem nationalkonservativen politischen Lager zugerechnet wird und bei der Präsidentschaftswahl vom rechtskonservativen Spektrum unterstützt wurde, begründete seine Entscheidung mit dem Schutz des Andenkens an die Opfer der UPA-Verbrechen. Die höchste polnische Auszeichnung dürfe nicht von Personen getragen werden, die Organisationen oder Traditionen ehren, die mit den Massakern an Polen verbunden seien.

Gleichzeitig erklärte der Präsident, dass die Unterstützung Polens für die Ukraine im Abwehrkampf gegen Russland davon nicht grundsätzlich infrage gestellt werde.

Scharfe Reaktionen aus Kiew

Die ukrainische Führung reagierte empört. Das Außenministerium bezeichnete die Entscheidung als Fehler und sprach von einer unnötigen Belastung der bilateralen Beziehungen.

Selenskyj selbst schickte die Auszeichnung schließlich nach Polen zurück und erklärte, staatliche Ehrungen müssten auf gegenseitigem Respekt beruhen. Auch andere ukrainische Politiker kündigten an, polnische Auszeichnungen zurückzugeben.

Tusk warnt vor Eskalation

Kritik an der Entscheidung kam aus dem Lager von Ministerpräsident Donald Tusk. Der Vorsitzende der liberal-konservativen Bürgerplattform (Platforma Obywatelska), die zur europäischen Parteienfamilie der Europäischen Volkspartei gehört, warnte davor, historische Konflikte politisch zu verschärfen.

Tusk erklärte, niemand dürfe vergessen, wer aktuell von Spannungen zwischen Polen und der Ukraine profitiere. Eine weitere Eskalation könne letztlich Russland in die Hände spielen.

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