Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) startet diesen Sommer eine großangelegte Veranstaltungsreihe unter dem Titel „Österreich im Gespräch“. Bürger sollen dem Kanzler persönlich Fragen stellen können. Der Weg dorthin führt allerdings nicht über offene Bürgertreffen, sondern über eine Online-Anmeldung, bei der Alter, Geschlecht, Bildung, Bundesland und gesellschaftliche beziehungsweise politische Verortung abgefragt werden.
Blaue Reaktion auf Social Media
Die FPÖ hat auf die Stocker-Tour auf Social Media reagiert und den Kontrast klar herausgestrichen: Bei Herbert Kickl müsse man einfach zu einer Veranstaltung hingehen, wo er ist, und könne direkt mit ihm ins Gespräch kommen. Bei Stocker hingegen müsse man sich kompliziert anmelden und persönliche Details sowie die politische Gesinnung preisgeben, damit ein Treffen überhaupt in Erwägung gezogen wird.
Kontrollierter Dialog statt offener Zugang
Auf der Seite des Bundeskanzleramts wird betont, dass die Teilnehmerzahl pro Termin auf bis zu 200 Personen begrenzt ist. Die Auswahl erfolgt mit wissenschaftlicher Begleitung durch Meinungsforscher Peter Hajek. Ziel sei ein repräsentativer Querschnitt der Bevölkerung. Wer sich anmeldet, muss mehrere Merkmale angeben – darunter auch, ob man sich eher konservativ, progressiv oder in der Mitte verortet fühlt. Die offizielle Begründung: Man wolle verhindern, dass politisch bereits stark organisierte Personen die Runden dominieren.
Kritiker sehen darin jedoch vor allem eines: eine Vorabauswahl, die unliebsame Stimmen von vornherein ausdünnen kann. Im Gegensatz dazu steht die Praxis bei Herbert Kickl (FPÖ). Bei seinen Auftritten in den Bundesländern reicht die physische Anwesenheit, um ihm Fragen zu stellen oder die eigene Meinung direkt zu sagen – ohne Anmeldeprozess und ohne Angaben zur eigenen politischen Haltung.
Termine in allen Bundesländern – aber nur auf Einladung
Die Tour des nicht gewählten Kanzlers startet am 16. Juli 2026 in Tulln, Niederösterreich, und führt bis Ende August durch alle neun Bundesländer. Moderiert wird die Reihe von der ehemaligen ORF-Wetterfee Christa Kummer. Nach der Anmeldung erhalten ausgewählte Teilnehmer eine Einladung mit genauen Details zu Ort und Ablauf. Wer nicht ausgewählt wird, bleibt draußen – auch wenn er eine brennende Frage an den Bundeskanzler hat.
Die Daten der Anmelder sollen ausschließlich für diese Veranstaltungsreihe genutzt und spätestens Ende 2026 gelöscht werden. Dennoch bleibt der Eindruck einer gesteuerten Veranstaltung, bei der der Apparat im Vorfeld entscheidet, wer „repräsentativ“ genug ist, um mit dem Regierungschef zu sprechen.

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