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ÖVP-Politiker mit akademischen Titeln werden auffällig häufig dabei erwischt, diese eigentlich durch Plagiate erschwindelt zu haben. Möglicherweise auch Innenminister Karner.

4. Oktober 2022 / 22:16 Uhr

Nächster Plagiatsfall: Hat wissenschaftlicher Betrug System bei der ÖVP?

Schön langsam muss man sich fragen, wer in den Reihen der ÖVP sich seinen akademischen Titel eigentlich nicht erschwindelt hat. Denn erneut gerät ein hochrangiger Politiker der Schwarzen ins Visier der Plagiatsjäger und diesmal trifft es keinen Geringeren als Innenminister Gerhard Karner.
Seitenweise plagiiert
Für den renommierten Plagiatsjäger Stefan Weber, weist die Diplomarbeit des ÖVP-Innenministers aus dem Jahr 1995 an der WU Wien im Fach Betriebswirtschaftslehre eine mangelhafte bis nicht existente wissenschaftliche Qualität auf. Denn Karner soll seitenweise plagiiert haben. Vor allem der Theorieteil soll zur Gänze abgeschrieben worden sein, ohne dies entsprechend auszuweisen.
Konkret übernahm Karner in seiner Arbeit „ganze Textblöcke“ aus dem Werk „Information und Kaufentscheidung“ von Alfred Kuß. Für Weber stellt die Arbeit daher auch mit Blick auf die damals gültigen Zitierregeln ein Plagiat dar, Karner bestritt dies allerdings in einer ersten Stellungnahme. Karner befindet sich jedenfalls in bester Gesellschaft.
Gegenüber dem Standard wies Karner die Vorwürfe zurück: „Die gesamte Arbeit wurde nach guter wissenschaftlicher Praxis und nach bestem Wissen und Gewissen verfasst.“ Es sei „entsprechend den geltenden wissenschaftlichen Standards und den technischen Möglichkeiten der damaligen Zeit“ vorgegangen worden, jedweder Prüfung sehe er „mit großer Gelassenheit“ entgegen.
Dutzende Plagiatsfälle in der Bundesregierung
Das wohl prominenteste Opfer der vergangenen Zeit bildete Ex-ÖVP-Arbeitsministerin Christine Aschbacher, die nach einem aufgeflogenen Plagiats-Skandal bezüglich ihrer Diplomarbeit zurücktrat. Doch auch der steirische ÖVP-Politiker und Landtagsabgeordnete Armin Forstner plagiierte so fleißig, dass das Gutachten Webers dazu länger als die eigentliche wissenschaftliche Arbeit ausfiel.
Auch gegen ÖVP-Familienministerin Susanne Raab wurden Plagiats-Vorwürfe erhoben. Weber resümierte zu ihrer Diplomarbeit: „Sie beherrschte die wissenschaftlichen Grundregeln ihres Fachs nicht. Und auch die grüne Justizministerin Alma Zadic steht derzeit unter massivem Verdacht des Plagiierens. Ihre Doktorarbeit soll ganze 73 Plagiatsstellen aufweisen. Ein Prüfergebnis der Universität Wien ist anhängig, aber immer noch nicht abgeschlossen.
FPÖ-Graf: Was unternimmt Regierung gegen die „Seuche des Plagiierens?“
Dass es mittlerweile zum „guten Ton“ in der wissenschaftlichen Welt geworden ist, zu plagiieren, und das besonders an den heimischen Universitäten, will FPÖ-Wissenschaftssprecher Martin Graf nicht weiter hinnehmen. In einer parlamentarischen Anfrage nimmt er ÖVP-Bildungsminister Wolfgang Polaschek, immerhin ehemaliger Universitäts-Rektor, in die Pflicht und fragt unter anderem, wie intensiv derzeit gegen Plagiate in wissenschaftlichen Arbeiten vorgegangen wird und was der Minister gegen das Ausufern dieser „Seuche“ zu unternehmen gedenkt.

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