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Life-Ball versinkt im Kommerz

14. Juli 2010 - 7:51

Noch zwei Tage bis zum europaweit größten Karitativprojekt gegen die Immunschwächekrankheit Aids. Für den 18. Life-Ball mit seinen erwarteten 25.000 Teilnehmern putzt sich die Stadt Wien jetzt fein heraus. An allen drei Schauplätzen wird spätestens seit gestern eifrig gewerkelt. Sogar das alljährliche Filmfestival muss von Dienstag bis Montag Pause machen und der Festivität weichen. Die Inszenierung ist pompös und imposant – der Zweck der Veranstaltung geht im Kommerzspektakel verloren.

Whoopi GoldbergAm Rathaus wurde eine 34 Meter lange rote Schleife aufgezogen, am Platz davor eine fünf Meter große illuminierte Weltkugel aufgestellt. Aus der „Mutter Erde“ soll am Samstag die US-Schauspielerin Whoopi Goldberg entsteigen. Der 167 Meter lange Teppich führt direkt zum Burgtheater, wo ein Sommerball über die Bühne geht. Dafür wird der Ballsaal extra vom italienischen Designer Roberot Cavalli geschmückt.

Wenige Meter weiter stellt die Bundesregierung „ihr“ Parlament zur Verfügung. Dort macht man sich für die amfAR-Gala mit Bill Clinton bereit. Auch die örtliche SPÖ-Prominenz wird natürlich an der gesamten Veranstaltung teilnehmen. Für die Versteigerungs-Gala im Parlament hat der amtierende Bundespräsident Heinz Fischer zugesagt, Nationalratspräsidentin Barbara Prammer übernimmt den Ehrenschutz. Zu ersteigern gibt es dort übrigens drei Autos der britischen BMW-Tochter MINI. Möglicherweise ist auch noch das eine oder andere Gastgeschenk aus Eva Glawischnigs Amtszeit als Dritte Nationalratspräsidentin zu haben. Diese sollen ja speziell für wohltätige Zwecke eingesetzt worden sein.

Tatjana TaftFür das iPhone wurde anlässlich des Life-Balls sogar ein eigenes App entwickelt. Es soll Besucher und Interessierte mit Infos auf dem Laufenden halten. Gleichzeitig unterstützt der Käufer der rund einen Euro teuren Applikation den Verein „AIDS LIFE“. Wie viel Geld der Hilfsorganisation tatsächlich zu Gute kommt, lässt sich nur schwer errechnen. Der Elektroriese Apple wird in diesem Jahr mit den kleinen Programmen jedenfalls einen Umsatz von 2,3 Milliarden Euro einfahren.

In die hypersensiblen Medienberichte über die Wichtigkeit und Brillanz des Balls mischen sich nun erstmals auch zarte Meldungen über Unbehagen. Der Wiener Soziologe Otto Penz meint gegenüber der Kleinen Zeitung, dass der Life-Ball „ein hochkommerzielles Spektakel ist, für das völlig sinnentleert Prominente angekarrt und viel nackte Haut gezeigt werden, um Aufmerksamkeit zu erreichen“.

Fotos: David Shankbone, Manfred Werner

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