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Ioan Holender – eine Ära geht zu Ende

Nach nun fast zwei Jahrzehnten geht die Ära von Ioan Holender als Direktor der Wiener Staatsoper zu Ende. Es ist nun ein guter Zeitpunkt, um Bilanz über seine Tätigkeit zu ziehen. Diese sieht wahrlich außerordentlich aus.

Gastkommentar von Mag. Heidemarie Unterreiner, freiheitliche Kultursprecherin

In seiner Amtszeit gab es 93 Premieren, wobei 11 davon Kinderopern waren. Er hat erkannt wie wichtig es ist, Kindern und Jugendlichen Musik näher zu bringen. Nicht nur weil sie die Besucher von morgen sind, sondern weil ihnen durch die Musik eine Welt eröffnet wird, die wichtig für die Weiterbildung ihrer Persönlichkeit ist. Hier ist besonders sein Auftritt bei den jährlichen Aufführungen der Zauberflöte nach dem Opernball zu erwähnen, wo er selbst in ein Kostüm geschlüpft ist, um Kinder für diese Oper zu begeistern.

In Sachen ORF und seinem im Gesetz verankerten Kulturauftrag war es immer Ioan Holender der dafür gekämpft hat, dass wieder vermehrt Opernaufführungen aus der Wiener Staatsoper übertragen werden. Leider bis jetzt ohne Erfolg. Im Gegenteil: der ORF hat die Übertragungen auf ein beschämendes Minimum reduziert und den Vertrag zwischen ORF und Wiener Staatsoper bezüglich der Übertragungen gekündigt. Mit der Novelle des neuen ORF-Gesetzes kann man nun Hoffnung schöpfen, dass Kultursendungen endlich wieder im Programm des ORF Platz finden.

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Weiters gab es unter seiner Führung 63 Ballettpremieren und 21 Premieren an der Wiener Volksoper, als diese mit der Staatsoper unter einem gemeinsamen Direktor standen. In 19 Jahren gab es 5.473 Vorstellungen mit 11,04 Millionen Besuchern und einer Auslastung von 96,11 Prozent, für die er sich verantwortlich zeichnete.

Entscheidend aber ist neben diesen wirklich erfreulichen Zahlen über Auslastung und Besucher, dass er es verstanden hat, sein Haus sehr sparsam zu führen. Obwohl die Wiener Staatsoper seit 1999 keine Erhöhung der Basisabgeltung bekommen hat, übergibt er das Haus dem neuen Direktor Dominique Meyer mit einer Reserve von 11,8 Millionen Euro. Er hat gezeigt, dass höchste Qualität in einem der besten Opernhäusern der Welt nicht automatisch mehr kosten muss.

Ioan Holender hat sich für das Gesamtbild der Wiener Staatsoper verantwortlich gezeigt. Er hat sich, was seinen Tätigkeitsbereich betrifft, kein Blatt vor den Mund genommen. Auch wenn er manchmal unbequem erschien, war er es immer im Dienste der Wiener Staatsoper. Innerhalb des Hauses hat er, wie er selbst von sich behauptet, Angst und Schrecken verbreitet, hat aber seine Künstler und die Wiener Staatsoper immer gegen jeden Kritiker verteidigt.

Ioan Holender bleibt der Opernwelt und auch den Österreichern weiterhin erhalten. Neben seinen Tätigkeiten als Kulturvermittler in Radio- und Fernsehsendungen wird er weiterhin an der Universität Wien lehren. Nachdem er beim Frühlingsfestival in Tokio, an der Metropolitan Opera in New York, an der Budapester Oper und ehrenamtlich beim Enescu Festival in Rumänien als Berater tätig sein wird, wird er seinen reichhaltigen Erfahrungsschatz auch weiterhin einbringen können.

(Foto auf der Startseite: © Peter Gerstbach)

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