Einst von den Briten zerstört, erstrahlt das Haus “Zur goldenen Waage” seit 2018 in neuem Glanz.

6. September 2026 / 09:07 Uhr

Bürgerwille besiegt Beton: Frankfurts neue historische Altstadt ist auch wirtschaftlich ein Erfolg

Zwischen modernen Wolkenkratzern und Deutschlands Finanzzentrum liegt heute ein Viertel, das wie eine Reise in die Vergangenheit wirkt: die neue Frankfurter Altstadt.

Briten zerstörten Altstädte

Bis zum Zweiten Weltkrieg gehörte die Altstadt mit ihren engen Gassen und zahlreichen Fachwerkhäusern zu den historischen Wahrzeichen Frankfurts. 1944 zerstörten britische Bomber die mittelalterliche Altstadt Frankfurts fast vollständig. Nach dem Krieg setzte die Stadt zunächst auf moderne Architektur und eine funktionale Innenstadt.

Stimmungswandel ab den 1980er Jahren

Erst Jahrzehnte später änderte sich die Haltung. Das im Stile des „Brutalismus“ der 1970er Jahre aufgebaute Technische Rathaus war schon wenige Jahrzehnte nach seiner Errichtung abbruchreif.

Einzelne Stimmen setzten sich statt für einen modernistischen Neubau mit viel Glas für den Aufbau im Stile der historischen Altstadt ein. Eine jahrelange politische und publizistische Auseinandersetzung entstand.

Rechtskonservative Partei fordert Wiederherstellung der Altstadt

Einen frühen Entwurf für die Rekonstruktion legte 2004 der Bauingenieurstudent und CDU-Mann Dominik Mangelmann vor. Treiber des Projekts wurde jedoch Wolfgang Hübner von den rechtskonservativen „Bürgern für Frankfurt“. Er forderte 2005 in den politischen Gremien, den Abriss des Technischen Rathauses zur Wiederherstellung von Teilen der Altstadt zu nutzen und den modernistischen Wettbewerbsentwurf des Architekten Jürgen Engel abzulehnen.

Entscheidenden politischen Rückhalt erhielt das Vorhaben durch die damalige Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU), die sich für die Rekonstruktion besonders bedeutender Gebäude wie der Goldenen Waage einsetzte.

Linke für moderne Architektur

Dagegen standen vor allem SPD und Linkspartei, die den späteren Wiederaufbaubeschluss ablehnten. Im Verbunde mit ihnen: die Architekten. So kritisierte Ulrich Scheffler das Projekt als „Geschichtsfälschung“ und „Kulissenarchitektur“. Stephan Trüby packte das Totschlagargument aus: Wiederherstellung des schönen Alten sei rechtsradikal.

Die Linken konnten jedoch den Wind der Veränderung nicht aufhalten. 2007 stimmten CDU, Grüne, FDP und Freie Wähler für die kleinteilige Neubebauung des DomRömer-Areals und die Rekonstruktion ausgewählter historischer Häuser.

Historisches Stadtbild wiedererstanden

15 Gebäude sind originalgetreue Rekonstruktionen, weitere 20 wurden als moderne Neubauten errichtet, die sich an der historischen Architektur orientieren. Besonders bekannt ist das rekonstruierte Renaissance-Gebäude „Zur Goldenen Waage“.

Auch historische Gassen und Plätze wurden wiederhergestellt. 2018 wurde die neue Altstadt dann offiziell eröffnet.

Schönheit rechnet sich

Wirtschaftlich entwickelte sich die neue Altstadt seit ihrer Eröffnung 2018 vor allem zu einem Gewinn für den Frankfurter Tourismus. Inzwischen beleben mehr als 30 Cafés, Restaurants und Geschäfte das rund 200 Millionen Euro teure Quartier, das von der städtischen Tourismusgesellschaft als „Glücksgriff für die Touristik-Vermarktung“ bezeichnet wird.

Bereits das Eröffnungsfest lockte mehr als 250.000 Menschen an; in den ersten beiden Jahren war die Nachfrage nach Führungen zeitweise größer als das verfügbare Angebot. Nach dem Corona-Einbruch näherte sich der Besucherandrang 2022 wieder dem Vorkrisenniveau.

Wirtschaftlicher Erfolg

Das Bauprojekt wurde zur zugkräftigen Sehenswürdigkeit Frankfurts und wichtiger Impulsgeber für Gastronomie, Einzelhandel und Stadtführungen erwiesen.

Die neue Altstadt ist mehr als ein Bauprojekt. Sie ist der Versuch, ein Stück verlorene Stadtgeschichte zurückzugewinnen und gleichzeitig in die moderne Großstadt zu integrieren. Und sie reiht sich in eine bereits von unzensuriert gezeigte Reihe von erfolgreichen Bauprojekten nach historischem Vorbild ein.

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