Annalena Baerbock bleibt in New York. Nach dem Ende ihrer Amtszeit als Präsidentin der UN-Generalversammlung wechselt die Grünen-Politikerin und ehemalige Außenministerin an die Columbia University – als Professorin für „Global Leadership“ und Co-Direktorin eines Masterprogramms für Führungskräfte.
Perfekter Job für globalistische Ex-Politiker
Der Posten ist auf drei Jahre angelegt, als Vollzeitstelle. Eine klassische Forschungsprofessur ist das nicht. Baerbock soll den Titel Professor of Professional Practice tragen, vorgesehen für Praktiker mit Berufserfahrung. Das zehnmonatige Programm „Master of Public Administration in Global Leadership“ an der School of International and Public Affairs richtet sich an Bewerber mit mindestens zehn Jahren Praxis. Promotion, Habilitation, Staatsexamen: nicht erforderlich.
Praxis-Titel statt Forscherkarriere
Baerbock studierte von 2000 bis 2004 Politikwissenschaft an der Universität Hamburg und legte dort das Vordiplom ab. 2005 schloss sie an der London School of Economics (LSE) ein nur zweisemestriges Masterstudium in Public International Law ab. Eine 2009 an der Freien Universität Berlin begonnene Dissertation zum Völkerrecht brach sie ab; die Hochschule bestätigte später, dass sie das Vorhaben 2015 ausdrücklich nicht weiterverfolgte. Ein juristisches Staatsexamen hat sie nicht.
Im Bundestagswahlkampf 2021 musste sie Angaben in ihrem Lebenslauf mehrfach nachschärfen. Sie bezeichnete sich als Völkerrechtlerin, frühere Formulierungen zu Studium und Mitgliedschaften wurden korrigiert. Ein Bachelorabschluss fehlt.
Auch nach Politikkarriere fettes Einkommen
Das Gehalt der Columbia-Stelle ist nicht öffentlich. Vergleichbare Ausschreibungen der Universität für eine Vollzeit-Professur der Professional Practice mit Programmleitung nannten zuletzt Spannen von rund 240.000 bis 280.000 Dollar im Jahr. Dabei gibt es Bandbreiten zwischen etwa 200.000 und mehr als 400.000 Dollar.
Erst Schmid verdrängt, dann der Hörsaal
Der Weg nach New York begann mit einem Personalcoup. Deutschland hatte 2024 die erfahrene Diplomatin Helga Schmid nominiert, frühere Generalsekretärin des Europäischen Auswärtigen Dienstes und der OSZE. Nach der Bundestagswahl 2025 und dem Ende der Ampel schob die damalige Bundesregierung statt Schmid die scheidende Außenministerin nach.
Netzwerk statt Rückkehr
Eine Genehmigung der Bundesregierung braucht Baerbock für Columbia nach Medienberichten nicht mehr. Die Anzeigepflicht für ehemalige Bundesminister endet 18 Monate nach dem Ausscheiden; Baerbock verließ das Auswärtige Amt im Mai 2025. Neben der Lehre soll sie als Vortragsrednerin auftreten. Sie selbst hatte nach Amtsantritt in New York gesagt, sie genieße es, in der Vielfalt der Stadt „unterzugehen“ – „und für mich ist das ehrlich gesagt auch manchmal sehr befreiend“.
