Nach Mitternacht im Gasthof Krone in Umhausen im Ötztal (Bezirk Imst, Tirol) war plötzlich Schluss mit der Feier. Der Wirt wies auf die Sperrstunde hin – und der frisch gekürte Landtagspräsident Jakob Wolf (ÖVP), zugleich seit 1998 Bürgermeister der Gemeinde, soll daraufhin mehrmals gedroht haben: „Morgen schreiben wir den Betrieb neu aus, ihr könnt zammpacken und gehn.“
Drohung am Wirtshaustisch
Was als landesüblicher Empfang zu Ehren des neuen Tiroler Landtagspräsidenten begann, endete in einem handfesten Eklat. Die Pächterin Kathrin Bauer, die den gemeindeeigenen Gasthof Krone seit Jahren führt, berichtete später auf Facebook von der Szene. Obwohl die Sperrstunde im Vorfeld besprochen worden war, habe der „Präsident und Dorfkaiser“ trotzig reagiert, als sie nach Mitternacht die letzte Runde ankündigte.
Die Gemeinde sei Eigentümerin des historischen Gasthauses, der Pachtvertrag laufe Ende 2026 aus. Bauer schrieb, mehrmalige Ansuchen um Verlängerung seien teilweise unbeantwortet geblieben und Mails ignoriert worden. Jetzt sehe es so aus, als suche man trotz ihres Interesses einen „vielleicht gefügigeren Pächter“. Sie bat Inhaber von Genuss-Gutscheinen, diese bis November einzulösen, und kündigte an, ab Dezember 2026 beziehungsweise Jänner 2027 sogar neue Leute für Integrationsarbeitsplätze suchen zu müssen.
Wolfs Erklärung
Wolf räumte eine „schroffe Wortwahl zu später Stunde“ ein. Gegenüber der Redaktion von MeinBezirk.at erklärte er, es habe bereits ein Gespräch mit den Pächtern gegeben, bei dem er klarstellte, dass ihm jede schroff angekommene Formulierung leid tue. Einen persönlichen Termin habe er vereinbart. Zum Pachtvertrag betonte er: Dieser werde Ende 2026 regulär ausgeschrieben, danach entscheide der Gemeinderat. Er wolle den Beschlüssen des zuständigen Gremiums nicht vorgreifen.
Macht und Realität im Ötztal
Der Vorfall zeigt, wie eng in manchen Tiroler Gemeinden Amt und persönliche Autorität noch immer verwachsen sind. Wolf, seit 1998 ohne Gegenkandidaten Bürgermeister von Umhausen und seit 2003 Landtagsabgeordneter, war bis Anfang Juli 2026 Klubobmann der Tiroler Volkspartei. Am 2. Juli wurde er mit 32 von 36 Stimmen zum Landtagspräsidenten gewählt. Der Empfang lag zeitlich um die Nominierung und Wahl herum.
Oppositionelle Stimmen, darunter FPÖ-Landtagsabgeordneter Patrick Haslwanter, werteten den Vorfall als Beleg dafür, dass Teile der ÖVP noch immer glauben, Tirol gehöre ihnen. Der Falter hat Wolf wegen dieses Vorfalls zum “Dolm der Woche” gemacht.
