Immer mehr Asylwerber haben Riesenschulden bei Handyanbietern.

22. Oktober 2015 / 10:00 Uhr

Flüchtlinge mit Handyschulden: Gerichtsvollzieher in den Asylantenheimen

Ein Bild hat sich bei den Menschen seit der Flüchtlingskrise eingeprägt: Asylwerber mit modernen Smartphones. Das hat für Irritationen gesorgt, da Hilfsorganisationen dringend um Spenden für diese armen Leute baten. Aber so arm – dachten sich viele – können sie gar nicht sein, wenn sie mit I-Phones, die fast 1.000 Euro kosten, ins Land kommen. Jetzt aber stellt sich heraus: Immer mehr Flüchtlinge haben Schulden beim Handyanbieter – können ihre Telefonrechnungen nicht zahlen. Und so kommt es vor, dass plötzlich Gerichtsvollzieher im Asylantenheim auftauchen, die das Geld eintreiben wollen.

Er wollte nur nach Hause telefonieren

So berichtet der Merkur von einem Fall eines Afrikaners, der in einem Asylheim in Ebersberg lebt, und sich vor einem Jahr am Münchner Marienplatz ein Smartphone inklusive SIM-Karte besorgte. Heute habe dieser Mann 3.000 Euro Handyschulden – und er sei nicht der einzige Flüchtling in Bayern mit diesem Problem. Die Gerichtsvollzieher können nicht mehr als Drohungen aussprechen, zu holen ist bei Menschen, die von der Grundversorgung leben, sowieso nichts. Asylhelfer geben die Schuld an dieser Situation aber nicht den Betroffenen, sondern den Handyanbietern.


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„Er hat überhaupt nicht verstanden, was er da unterschreibt. Er wollte nur nach Hause telefonieren können“, sagt der Betreuer des afrikanischen Asylwerbers, Josef Probstmeier, gegenüber dem Merkur. Die Bedingungen des Vertrages, das Kleingedruckte, wären dem Afrikaner, der kein Wort Deutsch spricht, völlig unklar gewesen. Er berichtet, dass der Verkäufer im Laden ihm nur wenige Absätze des Vertrages auf Englisch übersetzt habe.

Auch das verwundert, weil Politiker uns immer wieder weismachen wollen, dass die Leute, die da zu uns kommen, sehr gebildet seien. Dass man fürs Telefonieren Geld braucht, wissen sie offenbar nicht.


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